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Vier Tage Nortec: mit einer 72-h-Non-Stop-Edelstahlfertigung, 5 kg Kraftunterstützung, speziell gekühlten Stechwerkzeugen und dem Höhenmesser LH600, der luftgepolstert auf bis 977 mm Höhe messen kann. 
Foto: Florian Gollinger
Vier Tage Nortec: mit einer 72-h-Non-Stop-Edelstahlfertigung, 5 kg Kraftunterstützung, speziell gekühlten Stechwerkzeugen und dem Höhenmesser LH600, der luftgepolstert auf bis 977 mm Höhe messen kann. 

Fachmessen

9 Zerspanungs-Tipps von der Nortec

Die Tipps von der Nortec: Noch besser mit Diamantschicht spannen, Helixfräsen, dem Halter für 990 Superminis, dem Effizienzsieger-Rennwagen und einem Tooltip(p).

Während vier Messetagen vom 23. bis 26. Januar hatten die fast 200 Aussteller auf dem Hamburger Messegelände rund 4.800 Fachbesucher begrüßt. Dazu Dr. Markus Heering, Geschäftsführer des VDW: „Wir freuen uns sehr, dass es gelungen ist, die Zahl der Besucherinnen und Besucher im Vergleich zur letzten Veranstaltung auf einen Wachstumspfad zu bringen. Damit haben wir unser erstes Ziel erreicht und eine gute Basis für den Neustart der Ausgabe 2026 gelegt.“ Und es gab wirklich spannende Neuheiten zu sehen. 

AMF: Vakuumspanntechnik mit 9 N/cm2

Wie im E-Magazin der NCFertigung zur Nortec versprochen,  stellten die Spanntechnik-Experten von AMF auf der Fachmesse Nortec auch ihre Vakuumspanntechnik vor. AMF erzeugt dabei mit einer integrierten Venturidüse bzw. externen Vakuumpumpe einen Unterdruck von bis zu 0,8 bar. „Die Spannkraft, also die mögliche Zug- und Haltekraft, hängt jetzt nur noch von der Auflagefläche des Werkstücks oder einer Spannplatte ab.“ Im Prinzip, so AMF-Verkaufsingenieur Sven Wassmann, werden so etwa 9 N Haltekraft pro cm2 erzeugt. „Neu sind jetzt unsere Platten mit Diamantbeschichtung, die zusätzlich einen deutlich höheren Reibwert liefern, was deutlich höhere Schub- und Querkräfte bei der Bearbeitung erlaubt“, erklärt Sven Wassmann. Mehr zur Vakuumspanntechnik zeigt AMF hier auf deren Website.

Okuma: Komplettbearbeitung am Demoteil mit Multus B300II

Schöne und vor allem effiziente Späne produzierte indes der japanische Werkzeugmaschinenhersteller Okuma auf der Nortec auf Stand 340: „Unsere aktuelle Multus B300II bietet nicht nur viel Platz mit 630 mm Drehdurchmesser und einer möglichen Drehlänge von 900 mm. Das Dreh-Fräszentrum kann auch komplexe Werkstücke, wie unser Demoteil in nur 22 Minuten, komplett bearbeiten“, betont Anwendungsspezialist Sebastian Piecha von der Okuma Deutschland GmbH in Köln. Dass die Multus B300II sehr präzise ist, unterstreicht schon die Tatsache, dass ein Großteil der Bearbeitungszeit allein für die feine Gravur mit einem 2-mm-Kugelfräser benötigt wird. Die weiteren Bearbeitungsphasen sind optimal aufeinander abgestimmt, was für eine ideale Zeitersparnis sorgt, sagt Sebastian Piecha. Die Leistungsfähigkeit und die gesamte Stabilität der Maschine, sowie deren geometrische Möglichkeiten, die vor allem die B-Achse mitbringt, lässt sich schon an den Schrägen des Werkstücks ablesen . „Spannend ist aber auch die Rückseite des Bauteils, in dessen großer Bohrung sich die Bahnen des Helixfräsens noch deutlich erkennen lassen“, betont Sebastian Piecha, der die Demowerkstücke produzierte und Interessenten auch gerne ein Exemplar mitgab. Mehr zur Multus B300II zeigt Okuma hier auf deren Website.

Jung: Ab Mai Edelstahlbearbeitung mit KI und neuen BAZs

Jung & Co., der Spezialist für Edelstahlbearbeitung, hatte es angekündigt: Nicht nur die Ausstellung von hochpräzisen Edelstahlteilen und Hydrauliksystemen auf der Nortec, sondern auch die nächsten Schritte der Kapazitätserweiterung am Fertigungsstandort Kummerfeld, nur 25 km entfernt von Hamburg: „Nach wie vor sind wir mit unserem Umbau für unser neues Fertigungszentrum voll im Plan“, betont Michael Jenkel Fertigungsleiter bei Jung & Co, auf der Nortec. Die zwei neuen Makino-Bearbeitungszentren seien bereits auf der Reise nach Kummerfeld, um künftig hochautomatisiert Edelstahlteile zu produzieren – ab Mai und nach einer sicherlich nötigen Anlaufphase – mit 72-h-Non-Stop-Fertigungsintervallen. Dessen sind sich auch Abteilungsleiter Benjamin Kälberloh (v.li.), Fertigungsleiter Michael Jenkel und AV-Managerin Kristina Klaps sicher. Mehr über die Edelstahlfertigung von Jung hier auf der Website.

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Kernkompetenz Edelstahl-Hydraulikkomponenten und Systeme auf der Nortec bei Jung: Am Fertigungsstandort Kummerfeld wird ab Mai ein neues Fertigungszentrum in Betrieb gehen. „Die Vorbereitungen laufen gut“, betonen Benjamin Kälberloh (v.li.), Michael Jenkel, Kristina Klaps und Björn Kaduk.
Foto: Harald Klieber
Kernkompetenz Edelstahl-Hydraulikkomponenten und Systeme auf der Nortec bei Jung: Am Fertigungsstandort Kummerfeld wird ab Mai ein neues Fertigungszentrum in Betrieb gehen. „Die Vorbereitungen laufen gut“, betonen Benjamin Kälberloh (v.li.), Michael Jenkel, Kristina Klaps und Björn Kaduk.

exoIQ erleichtert das Arbeiten in Kopf- und Brusthöhe

Praktische Arbeitshilfe und Hingucker auf der Nortec: das Schulter-Exoskelett S700. Bis zu 5 kg Kraftunterstützung pro Arm verspricht das Hamburger Unternehmen. Sein Einsatz, erklärt exoIQ-Mitarbeiterin Carina Stäcker, soll die Beanspruchung des Menschen bei körperlich schwerer Arbeit reduzieren und so das Risiko für Überlastung und Ermüdung beispielsweise bei Arbeiten über Kopfhöhe mit schweren Werkzeugen minimieren. „Das S700 ist schon sehr praktisch: Die Kraftunterstützung kann angepasst und so auf den individuellen Bedarf eingestellt werden.“ Trotzdem, so Carina Stäcker, schränkt das S700 wegen der innovativen Schulterkinematik die natürliche Bewegungsfreiheit nicht ein. Mehrere Personen können das S700 nutzen, weil neben den leicht zu wechselnden Textilelementen vor allem die werkzeuglose Größenverstellung den Tausch ganz einfach macht. Mehr zu exoIQ hier auf der Website.

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Auf der Nortec von vorne und hinten präsentiert hatte Carina Stäcker das Schulter-Exoskelett S700, mit dem das Arbeiten über Kopf und in Brusthöhe deutlich erleichtert wird.
Foto: Harald Klieber
Auf der Nortec von vorne und hinten präsentiert hatte Carina Stäcker das Schulter-Exoskelett S700, mit dem das Arbeiten über Kopf und in Brusthöhe deutlich erleichtert wird.

Mitutoyo: Praktischer Höhenmesser für bis zu 977 mm

Neu vorgestellt auf der Nortec haben die Messtechnik-Experten von Mitutoyo die neueste Version des Linear-Height-Messgerätes LH-600. Der lässt sich nicht nur ganz leicht, fast widerstandslos bewegen, sondern auch programmieren. Gerade für die Serienmessung sei das ideal, erklärten die Kundenberater von der Mitutoyo-Niederlassung Hamburg auf der Nortec. Je nach Gewicht und Handhabbarkeit müssen entweder das Teil oder den Höhenmesser aufeinander zu bewegt werden, so dass der Messtaster an der programmierten Geometrie mit einer kurzen Zustellbewegung das gewünschte Maß messen kann. Bei dem Demonstrationsteil für die Nortec wurden dafür vier Messpunkt eingeteacht, die im Programm Nortec in der Steuerung des LH600 hinterlegt wurden. Sehr hilfreich ist dabei, dass sich der Höhenmesser tatsächlich durch Drücken des orangen Entriegelungsknopfes am Fuss des Gerätes spielend leicht bewegen lässt. Grund ist, dass eben per Knopfdruck ein Druckluftpolster aufgebaut wird, auf dem der Höhenmesser dann gleitet und damit sehr leicht bedienbar ist. Zudem kann das LH600 auch für ‘höhere Aufgaben’ genutzt werden, weil sich mit einem nach oben auskragenden Messtaster die Messlänge tatsächlich auf bis zu 977 mm verlängern lässt. Mehr vom LH600 hier auf der Website von Mitutoyo.

Horn: 991 Superminis und ein 8-min-Dreh-Frästeil

Auf der Nortec präsentiert hatte Horn die Livezerspanung eines Dreh-Frästeils auf einer Index ABC und sein aktualisiertes Supermini-Programm, das mittlerweile weit über 2.000 Standard-Werkzeuge beinhaltet. „Der Vorteil ist, dass Sie für das ganze Programm nur einen Werkzeughalter brauchen. Dass die Supermini-Werkzeuge ideal sind, beweisen die mittlerweile fast unzähligen Anwendungen, mit denen unsere Kunden und ihre Lösungen realisieren, die ohne unsere Superminis nicht schneller, wirtschaftlicher und qualitativ hochwertiger sein könnten. Dafür stellen wir unser Supermini-Programm bereit, welches wir in den Systemen 105, 109 und 110 zum Ausdrehen, Einstechen, Fräsen, Gewindedrehen, Bohren, Profilstechen, Kopierdrehen, Nutstoßen und Axialeinstechen meist auch noch individuell auf Material, Bauteilgeometrie und die Maschinengegebenheiten anpassen“, erklärte Pressesprecher Christian Thiele die Hintergründe. In Hamburg stellte Horn exakt 990 Varianten aus, die aber nur knapp die Hälfte des Programms darstellen. Welches Potenzial zudem im gesamten Werkzeugprogramm von Horn steckt, machte Christian Thiele deutlich mit dem auf der Nortec live produzierten Bauteil: „An unserem Demonstrationsteil ist zwar nur ein Supermini-Werkzeug im Einsatz. Das Dreh-Frästeil wird aber mit exakt 14 einzelnen Werkzeugen erzeugt.“ Die Highlights, so Christian Thiele, sind das trochoidale Konturdrehen, außermittige Mantelbohrungen, Verzahnungsstoßen, Zirkularfräsen und Mehrkantdrehen. „Die Taktzeit von rund 4 Minuten lässt sich natürlich noch optimieren. Wichtig war uns, dass die Besucher sehen, was heutzutage auf einem CNC-Drehautomat wie einer Index ABC machbar ist.“ Selbst Verzahnungen werden auf der Index gestoßen – natürlich nur mit dem richtigen Werkzeug und den passenden Zyklen.

Sieger-Rennwagen auf der Nortec

Auf der Nortec-Sonderschau ‘Mit Vollgas lernen’ präsentierte Hawks Racing, das Formula Student Team der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, deren 19 Rennwagen, der beim FSA-Event 2023 Anfang Juli auf dem Red-Bull-Ring in Österreich den ersten Platz in der Kategorie Effizienz belegte. Dabei mussten auf einem Pylonen-Kurs 22 km mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 km/h zurückgelegt werden. Nach Angaben von Moritz Hüsken, der für die Elektronik zuständig ist, hat Hawks Racing erstmals bei dem 2023 gebauten Modell auf einen Hochvoltantrieb mit 540 V gesetzt und so von den 7,02 kWh im Akku nur 3,5 kWh verbraucht, was unter anderem auch an der Gewichtsreduktion von 40 kg gegenüber dem Vorgängermodellen lag. Mechanisch wurden vor allem der Seitendiffusor und der Unterboden modifiziert, so dass deutlich weniger Luftwiderstand das Fahrzeug noch effizienter machte.

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Nach Angaben von Moritz Hüsken, der für die Elektronik zuständig ist, hat Hawks Racing erstmals bei dem 2023 gebauten Modell auf einen Hochvoltantrieb mit 540 V gesetzt und zusätzlich das Gewicht des H18 um 40 kg gegenüber den Vorgängermodellen reduziert.
Foto: Harald Klieber
Nach Angaben von Moritz Hüsken, der für die Elektronik zuständig ist, hat Hawks Racing erstmals bei dem 2023 gebauten Modell auf einen Hochvoltantrieb mit 540 V gesetzt und zusätzlich das Gewicht des H18 um 40 kg gegenüber den Vorgängermodellen reduziert.

Arno: neue Werkzeuge für kurze Stechoperationen bis 6,5 mm

Und wie im E-Magazin der NCFertigung angekündigt, hatte Arno Werkzeuge tatsächlich seine neuen Ein- und Abstechwerkzeuge für kurze Stechoperationen bis 6,5 mm auch auf der Nortec ausgestellt. Mit TE09 und TE14 präsentierte das Familienunternehmen zwei geschliffene Stechplattengrößen für hochpräzise kurze Einstiche bis 6,5 mm. Die gepressten dreischneidigen Platten sind je nach Anwendung verschieden beschichtet und werden präzisionsgeschliffen. „Mit unseren beiden neuen Baugrößen erzielen Anwender höchste Präzision mit geringsten Toleranzen beim Ein- und Abstechen“, verspricht der Technische Leiter von Arno Werkzeuge, Werner Meditz. Höchste Präzision würden Anwender erzielen, wenn sie die neuen Stechplatten zusammen mit dem ATS-System von Arno einsetzen, das Kühlmittel über zwei Kanäle direkt an die Schnittfläche und an die Freifläche bringt. Mehr über das neue ATS-System und die Stechwerkzeuge auf der Website.

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Höchste Präzision erzielen: Der Werkzeughersteller Arno empfiehlt dafür die neuen Stechplatten zusammen mit dem ATS-System.
Foto: Harald Klieber
Höchste Präzision erzielen: Der Werkzeughersteller Arno empfiehlt dafür die neuen Stechplatten zusammen mit dem ATS-System.

Tooltip: Werkzeugmanagement mit viel Übersicht und konkretem Preis

Eine Software-Lösung für die Beschaffung von Präzisionswerkzeugen – ist prinzipiell nichts Neues. Die ToolTip GmbH geht aber neue Wege mit den Kooperationspartnern IWT Bremen, Zoller, H.Bilz, SPPW und DTS GmbH. CEO Dr.-Ing. Dmytro Borysenko erklärt den Unterschied: „Wir zentralisieren die Werkzeugsuche und blenden auch die Preise ein. Sie, als CNC-Fertiger, können über unsere webbasierte Tooltip-Software, die wir gemeinsam mit dem IWT Bremen unter der Leitung von Prof. Karpuschewski entwickelt haben, eine intelligente Werkzeugsuche starten und so mit wenigen Klicks zu Ihrem neuen Präzisionswerkzeug für Ihren CNC-Prozess geleitet werden.“ Von mehreren Angeboten wird nach Angaben von Dmytro Borysenko immer das beste Werkzeug vorgeschlagen, das unter einem oder mehreren Herstellern nach geometrischen Parametern, Eigenschaften oder auch Kosten ausgewählt werden kann. „Sie können sich auch mehrere Werkzeuge von verschiedenen Herstellern anzeigen lassen und dann das günstigste oder geeignetste Werkzeug für Ihren Prozess auswählen.“ Einfach mal ausprobieren unter www.tooltip.eu, empfiehlt Dmytro Borysenko, der an der Uni Magdeburg 2020 promoviert und dann das Startup-Unternehmen Tooltip gegründet hatte.