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Ist eine Information Supply Chain möglich, die von Werkzeugauswahl bis Datenanlieferung reicht – und auch die Datenrechte der Werkzeughersteller berücksichtigt? Das Konzept wäre dann vom ‚Vendor Managed Inventory‘ abgeleitet ein ‚Vendor Managed Product Data‘.
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Ist eine Information Supply Chain möglich, die von Werkzeugauswahl bis Datenanlieferung reicht – und auch die Datenrechte der Werkzeughersteller berücksichtigt? Das Konzept wäre dann vom ‚Vendor Managed Inventory‘ abgeleitet ein ‚Vendor Managed Product Data‘.

THEMA DER WOCHE 34/2023

Jetzt die richtige Datenplattform wählen

Wie mit Hilfe harmonisierter Standards die Information Supply Chain durchgängiger wird, erklärt Cimsource mit dem Konzept Vendor Managed Product Data.

Eine optimierte NC-Verfahrenskette zeichnet sich vor allem durch drei Dinge aus: Werkzeuge, die bis zum Standzeitende genutzt werden, eine effektive Absicherung der NC-Programme, um Kollisionen zu vermeiden, und schließlich durch optimierte Maschinennutzungszeiten. Realisiert wird dies mit Hilfe unterschiedlicher Softwaresysteme, die es mit den entsprechenden ‚digitalen Zwillingen‘ zu versorgen gilt. Es geht um die digitalen Repräsentanten der Werkzeuge, wie 3D-Modelle und Parameterlisten, die von den ‚Downstream‘-Systemen (CAM, Simulation, Werkzeugeinstellung, Toolmanagement,...) verarbeitet werden können.

Das VMI-Konzept zum ‚Vendor Managed Product Data‘ weiterentwickeln

Gefordert ist eine Information Supply Chain, die beim Auswahlprozess des Werkzeugs aus Anwendersicht beginnt und bis zur Datenlieferung reicht. Und das, ohne die berechtigten Ansprüche an die Datenhoheit der Werkzeuglieferanten zu verletzen. Wie wäre es, das Konzept des Vendor Managed Inventory (VMI) auf die Bereitstellung der Werkzeugdaten zu übertragen. Das wäre dann ‚Vendor Managed Product Data‘, doch der Reihe nach. Mittlerweile sind Daten allgemein und Werkzeugdaten im Besonderen zum Produktionsfaktor geworden, die auch entsprechend zu bewirtschaften sind. Tatsächlich sieht der Prozess zur Datenbeschaffung nicht so viel anders aus als der Beschaffungsprozess eines realen Werkzeuges.

Datensammler mit Workflow-Engine und Daten-‚Lager‘ mit Verpackungsbereich

Während der physische Beschaffungsprozess mit Hilfe von ERP- beziehungsweise Warenwirtschaftssystemen schon seit langem digitalisiert ist, fehlten für die Beschaffung der Werkzeugdaten bislang die Hilfsmittel. Für die Anwenderseite werden ein Datensammler und eine Workflow-Engine für den Beschaffungsprozess benötigt, auf der Lieferantenseite ein Daten-‚Lager‘ und ein Verpackungsbereich für den Versand.

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Der Prozess zur Datenbeschaffung sieht nicht so viel anders aus als der Beschaffungsprozess eines realen Werkzeuges.
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Der Prozess zur Datenbeschaffung sieht nicht so viel anders aus als der Beschaffungsprozess eines realen Werkzeuges.

Digitale Zwillinge werden benötigt

In der Praxis entsteht der Datenbedarf regelmäßig während der Arbeitsvorbereitung bzw. der NC-Programmerstellung. Sowohl für die Programmierung als auch für die Absicherung durch ­Simulation werden dabei die digitalen Zwillinge der Werkzeuge gebraucht. Diese sind entweder bereits in der Werkzeugdatenbank des CAM-Systems ­eingepflegt, oder sie müssen beschafft werden. Denn die Option, die Daten zu den Werkzeugen selbst zu erstellen, ist für jeden Arbeitsvorbereiter aufgrund des Zeitaufwandes wenig attraktiv.

ToolLink ermittelt Nettobedarf – Lücken werden angezeigt

Die Idee ist, den Bruttobedarf an Werkzeugdaten anhand der Artikelnummern in ein Beschaffungsportal zu laden. Dieses ToolLink genannte Portal bestimmt durch Abgleich mit öffentlich zugänglichen Datenplattformen wie ToolsUnited den Nettobedarf, also alle Werkzeuge, zu denen kein Datensatz gefunden wird. Fehlende Datensätze beziehungsweise Lücken in den Datensätzen werden vergleichbar mit der Nettobedarfsermittlung eines ERP-System angezeigt. Wie für die Beschaffung der realen Werkzeuge kann der Anwender jetzt Bedarfsmeldungen an die Lieferanten senden.

Datenbereitstellung mit nur einem Kommunikationskanal

Werkzeuglieferanten jeder Größe können jetzt die fehlenden Daten ergänzen oder ganze Produktreihen hochladen ohne ein Vielzahl von Excellisten hin und her senden zu müssen. Ein einziger Kommunikationskanal vereinfacht die Datenbereitstellung enorm. Denn die Bedarfsmeldung ist sehr spezifisch. Für jede Artikelnummer werden die benötigten Parameter angezeigt. Der Lieferant kann sich dazu in dem Portal einloggen. Für den Anwender dient ToolLink jetzt als Workflow-Engine, mit der der Fortschritt der Datenlieferungen aller Lieferanten automatisiert überwacht wird.

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ToolLink zeigt fehlende Datensätze beziehungsweise Lücken in den Datensätzen werden vergleichbar mit der Nettobedarfsermittlung eines ERP-System angezeigt.
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ToolLink zeigt fehlende Datensätze beziehungsweise Lücken in den Datensätzen werden vergleichbar mit der Nettobedarfsermittlung eines ERP-System angezeigt.

SalesSupport Server organisiert Übertragungsmethode bis Dateninhalte

So wie jeder Anwender eine Vielzahl von Lieferanten koordinieren muss, hat jeder Lieferant eine meist noch größere Anzahl von Kunden zu versorgen. Und dass viele Kunden unterschiedliche Datenformate wünschen, macht die Aufgabe nicht einfacher. Wie für den Versand der realen Werkzeuge sind im übertragenden Sinn Verpackungsvorschriften, Versandmethoden, Transportrelationen usw. zu beachten. Konkret geht es um Datenformate, Übertragungsmethoden und Dateninhalte. All das kann mit einem SalesSupport Server organisiert werden. Der SalesSupportServer hält die Produktdaten in einem neutralen, standardisierten Format bereit. Mit speziellen Exportroutinen kann der Lieferant die gewünschten Datenpakete erzeugen und den Kunden bereitstellen. Vendor Managed Product Data, sozusagen.

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Datenfluss von den Herstellerquellen zu den Vertriebskanälen über den SalesSupport Server: Mit speziellen Exportroutinen erzeugt der Lieferant die gewünschten Datenpakete und stellt sie Kunden bereit.
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Datenfluss von den Herstellerquellen zu den Vertriebskanälen über den SalesSupport Server: Mit speziellen Exportroutinen erzeugt der Lieferant die gewünschten Datenpakete und stellt sie Kunden bereit.

Werkzeugauswahl und Datenbeschaffung in Software implementiert

Die Rolle von Cimsource als Softwareanbieter ist vergleichbar mit einem Logistik-Dienstleister wie UPS oder DHL. Cimsource stellt die Software und die Services bereit, aber die Kundenbeziehung findet direkt zwischen Lieferanten und Anwendern statt. Die Automatisierung der Werkzeugauswahl bzw. der Datenbeschaffung gelingt auf Basis harmonisierter Datenstandards, die in den Cimsource-Produkten implementiert sind.

Datenportal spezifiziert sehr präzise Datenbedarf

In der Praxis zeigt sich, dass mit dem Datenportal einerseits sehr präzise der Datenbedarf für die Werkzeuge spezifiert werden kann. Andererseits bietet der SalesSupport Server verschiedene Möglichkeiten, diesen Datenbedarf zu decken. In jedem Fall spricht der Anwender direkt mit seinem Lieferanten bzw. der Lieferant mit seinem Kunden. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass der Anwender die Daten nach Standards wie der DIN 4000 ohne detaillierte Kenntnisse der DIN-Spezifikation erzeugen kann. Ein graphisch-interkativer Eingabeassistent hilft zudem bei der Datenerfassung.

Fazit: Harmonisierte Standards bilden die Grundlage

Methoden und Hilfsmittel auf Basis harmonisierter Standards bilden die Grundlage, um die für die nachhaltige Fertigung benötigten Softwaresysteme effizient mit Daten zu versorgen. Und das nicht nur über Datenplattformen als ‚Zwischenhändler‘, sondern in direkter Kommunikation von Werkzeuganbieter und Werkzeugnutzer. Für die Zukunft sind die eingesetzten Standards um Merkmale zu erweitern, die die nachhaltige Fertigung, vielleicht sogar den CO2-Abdruck des Werkzeugs abbilden. Denn Softwaresysteme zur Automatisierung der Kreislaufwirtschaft werden kommen.

Mehr über die Datenplattform und das Masterdata Management erklärt Cimsource hier auf der Website. (Autor: Dr.-Ing. Götz Marczinski)