Arbeitsplätze in der Bohrfuttermontage: die Tätigkeit umfasst sowohl die Montage als auch Verpackung von Röhm Bohrfuttern.
Foto: Röhm

Unternehmen

"Inklusion statt Exklusion"

Röhm kooperiert mit der Lebenshilfe Heidenheim und Gingen und setzt Projekt zur Inklusion von Menschen mit Behinderung in seiner eigenen Fertigung um.

Gemeinschaftlich erfolgreich zusammenarbeiten – das ist eines der gesteckten Ziele einer gelungenen Inklusion zwischen Menschen mit Behinderung und Menschen ohne Behinderung. Der Spann- und Greiftechnikspezialist Röhm aus Sontheim a.d. Brenz unterstützt mit großer Überzeugung dieses Leitbild. Seit längerer Zeit sind die Werkstätten der Lebenshilfe in Heidenheim und Giengen (HWW GmbH) und das Unternehmen Röhm in engem Kontakt, um ein entsprechendes „Pionierprojekt“ umzusetzen. Ziel ist die Schaffung von zwölf betrieblich integrierten und dauerhaften Außenarbeitsplätzen bei Röhm für die Menschen mit Behinderung der Lebenshilfe Werkstätten in Heidenheim und Giengen (HWW GmbH). Das Besondere an diesem Vorhaben: Röhm ist zumindest im Landkreis Heidenheim der erste Arbeitgeber, welcher eine größere Anzahl an Dauer-Arbeitsplätzen einrichtet, statt beispielsweise einzelne oder befristete Projektarbeitsplätze. Im Betrieb werden zukünftig Menschen mit Behinderung sowie Menschen ohne Behinderung neben- und miteinander tätig sein. Derzeit arbeiten schon die ersten Beteiligten im Rahmen eines Praktikums in drei Montagegruppen mit Röhm Mitarbeitern zusammen – und zwar vollständig inkludiert und nicht etwa in einem separaten Bereich. Die Tätigkeit umfasst sowohl die Montage als auch Verpackung von Röhm Bohrfuttern.

Feierliche Einweihung der Bohrufttermontage

Als Anlass für den erfolgreichen Projektstart fand am 21. Mai 2019 in Sontheim mit über 50 Teilnehmern die feierliche Einweihung der Arbeitsplätze in der Bohrfuttermontage durch Vertreter der Lebenshilfe sowie Herrn Matthias Kraut, Bürgermeister Sontheim, einschließlich Vertragsunterzeichnung statt. Gleichzeitig erfolgte die Übergabe eines eigens angeschafften Kleinbusses, mit welchem die Menschen der Lebenshilfe künftig täglich zu ihrem Arbeitsplatz in Sontheim gefahren werden.

Foto: Röhm

Feierliche Übergabe des VW Busses für die tägliche Fahrt.

„Für mich ist das Projekt eine ‚Herzensangelegenheit‘ und ich möchte weitere Unternehmen dazu animieren, ebenfalls Menschen mit Behinderung in Unternehmen und die Gesellschaft zu inkludieren“, so Röhm Geschäftsführer Gerhard Glanz.

Zwölf Arbeitsplätze ab Juli

Die konkreten Gespräche mit der Lebenshilfe Giengen zu diesem Vorhaben starteten im Jahr 2018. Zwischen Februar und April 2019 folgten erste Praktika diverser Mitarbeiter der Lebenshilfe, um einzuschätzen, ob die Zusammenarbeit gut funktioniert. Dabei wurden die Arbeitsschritte auf die Bedürfnisse der Lebenshilfe-Mitarbeiter angepasst. Beginnend ab Mai 2019 wurden nun acht Stellen eingerichtet, bis hin zum Juli mit dann abschließend insgesamt zwölf Arbeitsplätzen.

Ausgleichsabgabe statt Beschäftigung

Firmen ab 20 Mitarbeitern sind dazu verpflichtet, auf mindestens 5 % der Arbeitsplätze schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen. Unternehmen, die dieser Vorgabe nicht nachkommen, müssen eine Ausgleichsabgabe zahlen. Dessen Höhe ist abhängig von der Beschäftigungsquote und der Arbeitsplatzzahl. Diese 5%-Quote erreichen viele Firmen in Deutschland nicht und nehmen stattdessen die Ausgleichszahlungen in Kauf.

Ein persönlich wichtiges Thema

Für Gerhard Glanz hingegen ist das Thema Inklusion ein persönlich wichtiges Thema. Mit Stand vom 1. Mai 2019 sind beim Unternehmen Röhm 54 Personen mit Beeinträchtigung an den Standorten Sontheim, St. Georgen und Dillingen beschäftigt (ohne Berücksichtigung dieses neuen Projekts). Das entspricht einer Quote von 5,4 % bei aktuell 994 Mitarbeitern in Deutschland. Weltweit sind rund 1300 Personen beim Spann- und Greiftechnikspezialisten angestellt. Die Firma Röhm arbeitet neben der Lebenshilfe Giengen auch mit den Lebenshilfen in Asbach-Bäumenheim, Nördlingen, Dillingen und Augsburg zusammen. Rechnet man die Zusammenarbeit mit allen Lebenshilfen der aktuellen Quote von 5,4 % hinzu, liegt die Beschäftigungsquote für Menschen mit Behinderung bei über 10 %.

Foto: Röhm

Neben- und miteinander tätig: gemeinsame Arbeitsplätze von Menschen mit Behinderung und ohne Behinderung in der Bohrfuttermontage

Engere Kooperation

Zwischen den Werkstätten der Lebenshilfe in Heidenheim und Giengen und dem Unternehmen Röhm bestehen die Kontakte bereits seit langer Zeit. Eine der aktuellsten Aktionen startete im letzten Jahr mit Röhm Auszubildenden. Die Geschäftsleitung stellte hierfür ein Budget von 10.000 Euro zur Verfügung. Damit realisieren die Azubis gemeinsam mit der Lebenshilfe Giengen eigenständig organisierte Projekte. Ende 2018 wurde beispielsweise innerhalb eines Veranstaltungstages ein spezieller Lernbildschirm überreicht, um Menschen mit Behinderung den Zugang zur Technik und zu den digitalen Medien zu erleichtern. Als nächstes steht Ende Mai 2019 ein Ausflug in den Tierpark nach Esslingen auf dem Programm. Für Anfang Juli 2019 ist geplant, ein Hochbeet sowie eine Sitzbank für die Außenanlage an die Lebenshilfe Giengen zu liefern und aufzubauen. Der Rest des genannten Budgets wird anschließend als Geldspende übergeben.

Zahlen und Fakten

In Deutschland gelten mehr als 7,5 Millionen Menschen als schwerbehindert, rund 24 % von ihnen zu 100 Prozent (Stand 2015). Zwischen 2005 und 2015 stieg ihre Gesamtzahl um 12,6 %. (Quelle: Behindertenhilfe in Deutschland: Zahlen – Daten – Fakten von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege BGW, Hamburg, 07/2017). Die Zahlen belegen, dass es jeden treffen kann und die Wahrscheinlichkeit nicht gering ist, in eine leistungsgeminderte Position zu rücken.

Gegenseitig voneinander lernen

Für Röhm ist das Engagement nach eigenen Angaben kein Mittel zur Selbstdarstellung, sondern überzeugtes Agieren mit Vorbildcharakter für andere Firmen sowohl in der Region als auch bundesweit. Die Beteiligten sammelten bisher beste Erfahrungen: Gemeinsame Projekte sorgen auf verschiedenen Ebenen für mehr Verständnis, zunehmenden Respekt sowie gegenseitige Lerneffekte, die ohne die enge Zusammenarbeit nicht entstanden wären. Diese positiven Erlebnisse geben die süddeutschen Spann- und Greiftechnik-Spezialisten gerne weiter.

cd

Unternehmen

Offtopic: Wie Zecha und Extramet ihre Bindung stärken

Zecha besuchte Extramet zum Fachaustausch in der Schweiz. Neben hochinteressanten Informationen gab es grandiose Erlebnisse. Lesen Sie den Reisebericht.

Unternehmen

Sieht so die Arbeitswelt der Zukunft aus?

MAS Tools & Engineering weiht in Leonberg neu erstelltes Verwaltungsgebäude ein.

Unternehmen

Wie gelingen 50 Jahre Erfolg?

„Trends vorhersehen und alte Denkmuster in Frage stellen", weiß Rainer Krallmann, Mitbegründer der Krallmann GmbH. Was Sie zum Jubiläum wissen müssen.

News

Erste Späne im MTEC

In Wendlingen hat Mitsubishi Materials ein neues Technologiezentrum eröffnet. Vier Maschinen stehen bereit. Schlüsselfertige Lösungen werden dort mit Kunden entwickelt.