Gunnar Mey, Abteilungsleiter Industrie bei der Landesmesse Stuttgart GmbH.
Foto: Rüdiger Kroh

Thema der Woche 38/2020

AMB-Technologieforum bietet Face-to-Face-Kommunikation

Gunnar Mey, Abteilungsleiter Industrie der Messe Stuttgart, erklärt den Weg von der AMB-Absage zum Technologieforum, dem ersten Präsenzevent für die Zerspanung in 2020.

Herr Mey, die Landesmesse Stuttgart ist einen nicht alltäglichen Weg gegangen und hat die Aussteller befragt, ob der Bedarf für eine AMB 2020 besteht. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Bekanntermaßen hat die AMB eine hohe Bedeutung sowohl für die Landesmesse Stuttgart, als auch für unsere Kunden. Sie ist in den geraden Jahren die Leitmesse der Branche. Daher kamen gleich zu Beginn der coronabedingten Einschränkungen im Messewesen viele Fragen auf. Je länger die Infektionsthematik anhielt, desto kritischer wurde dann der Blick in Richtung September. Dazu kam die konjunkturelle Situation in der Zerspanungsbranche. Da bei uns Kundenorientierung ein zentrales Thema ist, haben wir uns für den Weg entschieden, die angemeldeten Aussteller nach ihrer Einschätzung zu befragen. Und konsequenterweise haben wir dann das Votum der Kunden akzeptiert, auch wenn uns die Entscheidung, die AMB abzusagen, sehr weh getan hat ‒ aber für die Branche war es die richtige Entscheidung.

Gab es nicht trotzdem die Versuchung auf den Faktor Hoffnung zu setzen und nicht schon im Mai die Absage der AMB zu verkünden?

Der Faktor Hoffnung lässt sich in alle Szenarien einpreisen. Aber schlussendlich benötigen die Unternehmen für ihre Planung und Vorbereitung der AMB eine ordentliche Vorlaufzeit. Zudem liegt die Messe traditionell in der ersten Woche nach den Sommerferien in Baden-Württemberg und daher muss die Besucherwerbung deutlich vor den Schulferien starten. Wir wollten daher keine unnötigen Verzögerungen.

Das Ergebnis der Befragung war eindeutig: Nur 11,9 % der Aussteller sprachen sich für eine AMB 2020 aus. Wie hat es sich dann am Tag X angefühlt, die AMB abzusagen, noch dazu, wo am gleichen Tag die Grindtec in Augsburg grünes Licht gab?

Es war schon ein trauriger Tag für uns als Team. Wir haben zwei Jahre darauf hingearbeitet, eine tolle AMB auf die Beine zu stellen und hätten ausgebuchte Hallen gehabt. Auf der anderen Seite hatten wir die Gewissheit, dass wir im Sinne der Branche so entschieden haben. Und dieser Schulterschluss mit den Unternehmen war uns wichtig. Dass andere Messen in eine andere Richtung kommuniziert haben, ist deren individuelle Entscheidung und Bewertung für deren Veranstaltungen. Wir drücken auf jeden Fall allen Marktbegleitern die Daumen, dass sie ihre Veranstaltungen erfolgreich durchführen können.

Premiere für das AMB-Technologieforum

Gleichzeitig mit der Absage wurde entschieden, erstmals ein AMB-Technologieforum auszurichten. Was waren die Beweggründe dafür?

Diese Entscheidung war der Faktenlage geschuldet. Immerhin haben fast 12 % der Aussteller gesagt, dass sie sich eine AMB 2020 wünschen. Wir haben es daher als unsere Aufgabe gesehen, eine Alternative anzubieten. Es sollte keine kleine Version der AMB werden. Vielmehr war es uns wichtig, aus den Messehallen raus ins Internationale Congresscenter Stuttgart ICS zu gehen, um auch von den räumlichen Gegebenheiten klar zu machen, dass es ein anderes Format wird.

Wie sieht dieses Format genau aus?

Das AMB Technologieforum umfasst eine Table-Top-Ausstellung mit zugehörigen Fachvorträgen und wird um eine sogenannte Matchmaking Area mit dazugehöriger Matchmaking App ergänzt. Dort haben registrierte Fachbesucher die Möglichkeit, sich mit anderen Fachbesuchern, mit Ausstellern und Referenten zu verabreden und auszutauschen, entweder über digitale Chat-Funktionen oder direkt vor Ort. Stand heute beteiligen sich 17 Unternehmen am Forum. Wir werden mit dem AMB-Technologieforum auf jeden Fall den ersten Präsenzevent in 2020 für die Zerspanung auf die Beine stellen.

Warum lohnt es sich für Besucher am 17. September am Technologieforum teilzunehmen und wie funktioniert die Anmeldung?

Es geht um das persönliche Treffen und die Face-to-Face-Kommunikation. Namhafte Unternehmen werden ihre Neuheiten präsentieren und Fragen beantworten. Alles was physische Events ausmacht, ist an diesem Tag möglich, in einem kompakten Format. Der Besuch ist nur mit einer Vorregistrierung möglich. Aufgrund der Corona-Hygieneregelungen haben wir ein limitiertes Angebot von derzeit 500 Tickets.

Das AMB-Forum ist auch für September 2021 geplant. Können Sie schon Näheres sagen?

Das Technologieforum ist für uns eine komplett neue Veranstaltung. Wir werden daraus Erkenntnisse ziehen und wenn es im Nicht-AMB-Jahr die Chance auf eine Wiederholung gibt, haben wir auf jeden Fall Interesse daran.

Die nächste reguläre AMB wird dann 2022 stattfinden. Denken Sie, es wird eine andere Messe sein, als wir sie vor Corona gekannt haben?

Hier kommen wir wieder auf das Prinzip Hoffnung zurück. Es hängt von ganz vielen Faktoren ab, wie zukünftig die Veranstaltungslandschaft aussehen wird: Wie ist der weitere Verlauf der Pandemie? Wie verändert sich mittelfristig das Reiseverhalten der Menschen? Wie entwickelt sich das wirtschaftliche Umfeld und die Konjunktur? Messen leben vom Austausch untereinander und haben eine große Bedeutung für Vertrieb und Marketing. Sie haben gleichzeitig einen hohen Incentive-Charakter. Meine Einschätzung ist, dass der Fokus vorerst stärker auf dem reinen Business liegt und messebegleitende Events erst einmal weniger Priorität haben.

Messen müssen hybrider werden

Müssen sich Messegesellschaften langfristig neu aufstellen und neue Konzepte entwickeln, um zu überleben?

Corona hat das Thema Digitalisierung extrem beschleunigt und die Lerneffekte vorangetrieben. Messen werden sicherlich hybrider werden. Wir müssen sinnvolle digitale Ergänzungen an unsere Veranstaltungen andocken. Dies ist aber sehr veranstaltungsindividuell zu betrachten und kann von Webinaren über Matchmaking-Angebote bis hin zum digitalen Zwilling reichen. Inwiefern digitale Ergänzungen überlebenswichtig sind, kann ich nicht beurteilen.

Können Sie sich digitale Angebote auch als Ersatz für eine Präsenzveranstaltung vorstellen?

Ich glaube nicht, dass eine sogenannte virtuelle Messe die physische Begegnung ersetzen kann. Digitale Angebote halte ich für eine gute Ergänzung, sowohl in der Anbahnung als auch im Nachgang einer Messe.

Abschließend noch einmal zur AMB 2022. Welche Schlagzeile würden Sie sich zur Eröffnung der Messe wünschen?

Die perfekte Schlagzeile zur AMB 2022 würde „Branche wieder in Stuttgart vereint“ lauten. Das wäre eine Headline, die uns richtig gut gefallen würde.