Hohe Flexibilität sichert Hermle in der Krise eine solide zweistellige Bruttoumsatzmarge und damit eine gute Ausgangsbasis um nach der Krise wieder voll durchzustarten.
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Gute Ausgangsbasis zum Durchstarten nach der Krise

Trotz Belastung durch die Corona-Krise im ersten Halbjahr sieht Hermle eine gute Ausgangsbasis um die Prognose zu erreichen.

Unabhängig von der Umsatzentwicklung sieht sich Hermle gut gerüstet, um nach der Krise wieder voll durchzustarten: Die Basis dafür bilden neben der sehr soliden finanziellen Ausstattung und hohen Flexibilität die weitere Internationalisierung und die kontinuierliche Automatisierung und Digitalisierung des Angebots. Für das Gesamtjahr 2020 geht Hermle weiterhin davon aus, dass der Konzernumsatz um rund 50 % und das Betriebsergebnis hierzu überproportional abnehmen werden. Da die Entwicklung im ersten Halbjahr insgesamt etwas besser verlief als im April erwartet, scheint die Prognose aktuell gut abgesichert, wobei unverändert große Risiken, aber auch die Chance einer günstigeren Entwicklung bestehen.

Auswirkungen der Krise deutlich spürbar

Bei der Maschinenfabrik Berthold Hermle AG waren die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie im ersten Halbjahr 2020 deutlich zu spüren. Wegen der coronabedingt stark rückläufigen Nachfrage sank der Auftragseingang des schwäbischen Werkzeugmaschinenherstellers in den ersten sechs Monaten gemessen am Vergleichszeitraum des Vorjahres um 45,5 % auf 119,4 Mio. EUR (Vj. 218,9 Mio. EUR). Aus dem Ausland erhielt das Unternehmen neue Bestellungen im Wert von 75,3 Mio. EUR (Vj. 129,7 Mio. EUR) und aus dem Inland von 44,1 Mio. EUR (Vj. 89,2 Mio. EUR). Am 30. Juni 2020 verfügte Hermle konzernweit über einen Auftragsbestand von 57,8 Mio. EUR nach 99,3 Mio. EUR am Jahresende 2019.

Der Hermle-Konzernumsatz ging im ersten Halbjahr 2020 um 30,6 % auf 160,9 Mio. EUR zurück (Vj. 231,7 Mio. EUR). Davon entfielen 98,0 Mio. EUR (Vj. 125,3 Mio. EUR) auf das Ausland und 62,9 Mio. EUR (Vj. 106,4 Mio. EUR) auf das Inland. Die Exportquote erhöhte sich von 54,1 % auf 60,9 %. Während des bisherigen Höhepunkts der Corona-Krise im April und Mai war neben dem Neumaschinen- auch das Service- und Ersatzteilgeschäft stark beeinträchtigt. In diesem Bereich verzeichnete der Technologieführer bei 5-Achs-Bearbeitungszentren gegen Ende des Berichtszeitraums in einigen Ländern eine allmähliche Erholung.

Ausgangsbasis weiterhin solide

Durch das Konzept des atmenden Unternehmens kann Hermle weitreichende Kapazitätsanpassungen umsetzen und auf Auslastungsschwankungen bis zu einem gewissen Grad sehr flexibel reagieren. Daher war die Ertragslage im Berichtszeitraum von den coronabedingten Umsatzeinbußen zwar deutlich belastet, blieb aber weiterhin solide. Von Januar bis Juni 2020 belief sich das Betriebsergebnis im Konzern auf 29,8 Mio. EUR (Vj. 50,7 Mio. EUR) und das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit auf 29,9 Mio. EUR (Vj. 50,6 Mio. EUR). Daraus errechnet sich eine Bruttoumsatzmarge von 18,6 % (Vj. 21,8 %). Nach Steuern wurde ein Periodenüberschuss von 21,5 Mio. EUR ausgewiesen (Vj. 37,3 Mio. EUR). Die Vermögens- und Finanzlage blieb im ersten Halbjahr ebenfalls solide: Per 30. Juni 2020 verfügte Hermle konzernweit über liquide Mittel in Höhe von 130,5 Mio. EUR (31.12.2019: 107,5 Mio. EUR) und eine Eigenkapitalquote von 75,8 % (31.12.2019: 72,3 %). Der operative Cashflow lag im ersten Halbjahr 2020 bei 26,6 Mio. EUR (Vj. 42,5 Mio. EUR).

Investitionen in Bauprojekte

Die Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte stiegen in der Berichtsperiode auf 9,2 Mio. EUR (Vj. 4,5 Mio. EUR). Sie betrafen vor allem zwei größere, bereits 2019 begonnene Bauprojekte: Zum einen errichtet Hermle aufgrund der begrenzten Flächen am Firmensitz ein weiteres Produktionsgebäude am zweiten Fertigungsstandort Zimmern, das voraussichtlich noch im laufenden Jahr fertiggestellt und für die Blechfertigung genutzt werden soll. Zum anderen wurden die Kapazitäten für das Technologie- und Schulungszentrum sowie das Ersatzteillager am US-Standort Franklin/Wisconsin erweitert. Die beiden strategisch wichtigen Projekte waren zu Beginn der Covid-19-Pandemie bereits so weit fortgeschritten, dass es sinnvoll war, sie trotz der Krise fortzusetzen. Andere Investitionsmaßnahmen wurden bzw. werden großteils gestoppt. Am 30. Juni 2020 waren bei Hermle konzernweit 1.304 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt nach 1.319 am Jahresende 2019. Wegen der coronabedingt rückläufigen Nachfrage wurden wenn möglich frei werdende Stellen nicht neu besetzt und Gleitzeitkonten weitgehend abgebaut. Die Zahl der Auszubildenden nahm im Stichtagsvergleich von 79 auf 94 junge Menschen zu.

ak