Heribert Großmann, Geschäftsführer der Bantleon GmbH, begrüßte über 200 Gäste zum Ulmer Schmierstoff-Forum, das sein Unternehmen im Oktober in Neu-Ulm veranstaltete.
Foto: Christopher Detke

Kühlschmierstoff

Wie Bantleon sein Portfolio für die Zukunft ausrichtet

2018 feierte Bantleon 100. Jubiläum. Das Unternehmen setzt die CLP-Verordnung konsequent um und gestaltet sein Portfolio damit gesundheitsverträglicher.

Bantleon feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Firmenjubiläum. Für das Unternehmen Anlass genug, sich konsequent an aktuellen Entwicklungen auszurichten und die nächsten 100 Jahre anzugehen. Bestes Beispiel: Die ganzheitliche Ausrichtung seines Produktportfolios auf KSS-Technologien, welche nicht unter die 10. ATP ( Adaption to technical and scientific Progress) fallen: „Wir tragen hier zum einen den verschärften gesetzlichen Anforderungen, zum anderen aber unserem eigenen Anspruch an innovative und möglichst arbeitsschutzfreundliche Produkte Rechnung. Wir wollen ein minimalstes Gefahrenpotential für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Kunden, sowie für das Bantleon-Personal aus Produktion und Logistik gewährleisten“, erklärte Bantleon-Geschäftsführer Heribert Großmann.

Bantleon reagiert auf 10. ATP

Damit reagiert Bantleon auf die 10. ATP der CLP-Verordnung (Classification, Labelling and Packaging) der Europäischen Union. Die 10. ATP trat 2017 in Kraft. Sie verbietet FAD-haltige KSS zwar nicht, fordert jedoch bei der Verwendung gewisser Formaldehyddepotstoffe eine verschärfte Kennzeichnung und somit erhöhte Anforderungen, was Lagerung, Kennzeichnung, Dokumentation und Mitarbeiterunterweisung betrifft. Diesen Anforderungen geht Bantleon folglich aus dem Weg und verbannt die betroffenen Stoffe ganz. Rainer Janz, Bereichsleiter Produkt- und Qualitätsmanagement bei Bantleon, pflichtet Großmann bei und sieht die Neuregelungen nicht nur negativ: „Durch strengere Verordnung wird zwar unsere Auswahl an möglichen Ersatz-Additiven kleiner und interne Prozesse werden manchmal etwas komplizierter. Dafür sorgen Regelwerke wie CLP oder REACH auch für eine Marktbereinigung und eine viel größere Transparenz. Es ist schon gut, dass jeder Marktteilnehmer für seine Produkte und sein Handeln Verantwortung übernehmen muss.“

200 Gäste beim Ulmer Schmierstoff-Forum

Verantwortung ist auch ein Anliegen von Bantleon und Heribert Großmann. Er begrüßte über 200 Gäste, Kunden und Experten zum Ulmer Schmierstoff-Forum im Herbst mit dem Leitgedanken: „Aus Verantwortung wird Zukunft.“ Bantleon habe in seiner 100-jährigen Geschichte schon immer nachhaltig gedacht, erklärte auch Rainer Janz gegenüber NCFertigung am Rande der Veranstaltung. „Die Brancheninitiative ‚Nachhaltigkeit der Schmierstoffindustrie‘, die wir mitbegründet haben, ist ein gutes Beispiel dafür“, so Janz weiter. Entsprechend war die Stoßrichtung der Bantleon-Veranstaltung vorgegeben: Nachhaltigkeit, Industrie 4.0 und aktuelle technologischen Entwicklungen rund um Kühlschmierstoffe. Partnerunternehmen und Aussteller informierten auf einer Messe, die parallel zum Vortragsprogramm lief. Dr. Torsten Bley von der Hydac Electronic GmbH stellte neue Ansätze zur Online-Ölüberwachung vor. Hans Keller von der Aesculap AG zeigte Fertigungstechnologien in der Medizintechnik. Dr. Michael Flämmich präsentierte die neue FiT-Richtlinie ‚Filmische Verunreinigungen beherrschen‘ und für die Kooperation aus Trelleborg und der Hochschule Ulm stellten Holger Jordan (Trelleborg) und Professor Peter Renze (Hochschule Ulm) deren Entwicklung zur Strömungsoptimierung in Dichtsystemen vor.

Impulsvorträge thematisieren strategische Ausrichtung

Strategischer waren die Impulsvorträge von Dr. Jochen Peter, Vorstandsmitglied der Zeiss Gruppe, und Dr. Walter Döring, ehemaliger Baden-Württembergischer Wirtschaftsminister und Geschäftsführer der Akademie der Deutschen Weltmarktführer, angelegt. Dr. Peter blickte auf den derzeitigen Stand bei der Umsetzung von Industrie 4.0. Das Joint Venture ADAMOS (Adaptive Manufacturing Open Solutions) von DMG Mori, ASM Solutions, der Dürr AG, Engel, Karl Mayer, der Software AG und der Zeiss Group soll als strategische Allianz Know-how aus unterschiedlichen Sparten zusammenbringen, um Lösungen für die digitale Produktion der Zukunft zu entwickeln. Das Sammeln von Daten aus allen Bereichen spiele dabei eine entscheidende Rolle, erklärte Peter und fügte an „es reicht aber nicht, wenn wir einfach nur Daten sammeln und anhäufen. Wir müssen die richtigen Daten sammeln und nutzen und so einen gezielten Mehrwert schaffen.“ Rainer Janz sieht in der Vernetzung auch einen entscheidenden Schritt für Bantleon: „Heute geht es darum, dass sich Partner aus verschiedenen Bereichen zusammentun und austauschen um ein Gesamtbild zu erzeugen.“

Kühlschmierstoff ist Teil der relevanten Daten

„Der Kühlschmierstoff ist als Prozessmedium Teil der Werkzeugmaschine und damit Teil der für den Kunden relevanten Daten. Wir wollen uns also verstärkt mit Maschinenherstellern, Betreibern und den verschiedenen Tools vernetzen, um die relevanten Daten am Ende des Tages zu bündeln. Wir erfassen die Daten unserer KSS zwar schon seit zehn Jahren digital und nehmen im Bereich Fluidmanagement seit Jahren eine Vorreiterrolle ein. Wir wollen auch hier eine Lösung bieten, welche prozesssicher für alle Beteiligten funktioniert, schließlich geht es hier um Arbeits- und Gesundheitsschutz“, so Janz weiter. Globale Vernetzung ist auch für deutsche Weltmarktführer entscheidend, erklärte Dr. Walter Döring, der den Nachmittag des Symposiums mit seinem Impulsvortrag einläutete. „Deutsche Weltmarktführer brauchen offene Märkte und freien Handel“ lautete seine These, wobei er mit Blick auf globale Entwicklungen in Politik und Handel betonte: „Wir erleben gerade eine Zeitenwende.“

Konkrete Umsetzung nachhaltiger Entwicklung fehlt

Diese Zeitenwende würde auch Dr. Georg Barfuß mit Blick auf den aktuellen Stand nachhaltiger Entwicklung gerne attestieren. Es fehlt dem Professor für Corporate Social Responsibility der Hochschule Ingolstadt aber an der konkreten Umsetzung: „Das Marketing vieler Unternehmen, ja selbst unserer Regierung ist längst grün und nachhaltig. Unsere Handlungen sind es aber bei weitem noch nicht“, betonte Barfuß. Er kritisierte Green Washing und Nachhaltigkeits-Marketing scharf und forderte mit seinem Vortrag „Let’s walk the talk“ konkretere Umsetzung. „Wir müssen Businessmodelle auf Grundlage einer Wertebasis entwickeln, die es uns ermöglicht Geld zu verdienen, ohne dabei die Umwelt zu zerstören.“ Er sprach damit aus, was auch Bantleon bewegt: „Herr Barfuß hat uns aus der Seele gesprochen. Ich denke, wir haben das richtige Thema zur richtigen Zeit gewählt. Das zeigt auch der große Zuspruch mit über 200 Gästen trotz einiger Parallelveranstaltungen in diesem Herbst“, bilanzierte Großmann zum Ende einer gelungenen Veranstaltung.

Kühlschmierstoff

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