Maschinenseitig ist die LB 3000II-MC 1000 für die Schwerzerspanung bestens vorbereitet. Foto: Hommel

Werkzeugmaschinen

Warum ein Lohnfertiger 14 Okuma-Drehmaschinen besitzt

Bailer CNC setzt neben engagierten Mitarbeitern und fachlicher Kompetenz auch auf produktive und flexible Drehmaschinen von Okuma.

Es dürfte nicht wenige gegeben haben, die zu Beginn der 1980er Jahre über Ottmar Bailer ganz kräftig den Kopf geschüttelt haben. Als Meister beim Albstädter Werkzeughersteller Gühring hatte er nicht nur einen guten Job, sondern als Erbe des elterlichen landwirtschaftlichen Betriebes auch eine gesicherte Zukunft. Und was macht Ottmar Bailer? Er gründet im Untergeschoss seines Wohnhauses einen Ein-Mann-Zerspanungsbetrieb, was nichts anderes heißt, als dass er tagsüber als Angestellter, abends und am Wochenende als Unternehmer und immer wieder auch als Landwirt arbeitet.

Das Engagement führt zum Erfolg: Heute hat Bailer 65 Mitarbeiter

Trotz der Dreifachbelastung wächst sein Zerspanungsbetrieb, sodass er sich schon 1982 zum Bau eines 400 m² großen Produktionsgebäudes entschließt. Ein Jahr später widmet er sich endgültig ganz seinem Betrieb, kündigt bei Gühring und sagt auch der Landwirtschaft ade. Eine gute Entscheidung: Zehn Jahre später beschäftigt er 20 Mitarbeiter und gründet eine Filiale in Albstadt-Onstmettingen. 2007 übernimmt er zusammen mit seinem Sohn Alexander, seit 2006 Mitglied der Geschäftsleitung, ein 3.000 m² großes Gebäude in Burladingen, lässt es umbauen und integriert die anderen Standorte in den neuen Firmensitz. Heute sind 65 Mitarbeiter und sechs Auszubildende beschäftigt, die einen Umsatz um die 7 Mio. Euro generieren.

Sich als selbstständiger Unternehmer beweisen

Bailer erinnert sich: „Es war schon immer mein Ziel, mich im Umfeld Zerspanung als selbstständiger Unternehmer zu beweisen. Als ich noch bei Gühring beschäftigt war, hatten wir immer Probleme bei der Beschaffung bestimmter Teile. Also bin ich zum Betriebsleiter und habe ihm vorgeschlagen, dass ich diese doch künftig in Eigenregie produzieren könnte. Mit der Zusage habe ich mir eine kleine Drehmaschine von Colchester, eine Bügelsäge und eine Bohrmaschine angeschafft und diese Teile gefertigt. Bereits nach knapp einem Jahr konnte ich einen ersten Mitarbeiter einstellen. Als ich mich einige Zeit später bei dem Waagenhersteller Bizerba um Aufträge bemühte, fragte mich der damalige Einkäufer, welche Maschinen ich denn hätte. Ehrlich antwortete ich: eine Colchester, eine Säge und eine Bohrmaschine. Darauf die Antwort: Jetzt gehst du nach Hause, kaufst dir eine richtige Maschine und dann kommst du wieder. Also investierte ich mit Unterstützung meiner Eltern in ein CNC-Bearbeitungszentrum von Stama und bekam den Auftrag. Und bis heute ist Bizerba einer unserer größten Einzelkunden geblieben.“

Qualität der Betriebsmittel entscheidend

Für seinen Sohn Alexander, der nach seiner Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker erst im elterlichen Betrieb gearbeitet, dann seinen Meister gemacht und sich später zum Betriebswirt weitergebildet hat, eine prägende Erzählung: „Für ein Unternehmen in unserer Größe ist die Qualität der Betriebsmittel von entscheidender Bedeutung. Bei durchschnittlichen Losgrößen von 100 bis 500 Teilen und rund 10.000 aktiven Werkstücken ist es wichtig, dass wir einen entsprechenden Maschinenpark vorhalten. Wir arbeiten meist sehr eng mit den Entwicklungsabteilungen unserer Kunden zusammen und können daher sehr schnell auf Änderungen reagieren. Gerade die Flexibilität, sich sehr schnell auf neue Gegebenheiten einzustellen, sorgt für ein gutes Verhältnis zu unseren Stammkunden. Daneben haben die Verfügbarkeit und die Langzeitgenauigkeit unserer Werkzeugmaschinen allerhöchste Priorität. Unsere Erfahrung zeigt, dass es wenig Sinn macht, in möglichst billige Maschinen zu investieren, sondern auf Qualität zu setzen.“ Nicht zuletzt aufgrund dieser Überzeugung war er die treibende Kraft hinter der Entscheidung, sich ab 2006 im kompletten Betrieb auf zwei bis drei Maschinenlieferanten zu konzentrieren.

14 Okuma-Drehmaschinen

Beim Drehen fiel die Wahl auf Okuma. „Es dürfte nicht allzu viele Maschinenlieferanten weltweit geben, deren Produkte ähnlich stabil ausgelegt sind“, urteilt Alexander Bailer. „Unsere erste Okuma war eine Multus B300, die wir 2006 in Betrieb genommen haben. Heute, nach über zwölf Jahren im Dauerbetrieb, gibt es bei diesem Dreh-Fräszentrum in Sachen Produktivität und Maßhaltigkeit keine Einschränkungen.“

Die guten Erfahrungen legten den Grundstein für mittlerweile 14 Drehmaschinen von Okuma. Vier davon sind Dreh-Fräszentren (drei Multus und eine Mac-Turn), dazu kommen drei Drehzentren der Baureihe LU300 und zwei LVT sowie eine ES-L8 und vier Drehmaschinen der LB-Baureihe. Gefragt, welche der Maschinen ihm am besten gefällt, kommt die Antwort von Alexander Bailer wie aus der Pistole geschossen: „Die 2017 geleaste LB3000II-MC 1000. Das ist einfach eine super Maschine. Ich mag sie besonders gerne, weil sie von allen Maschinen, die wir in den vergangenen Jahren bekommen haben, den größten Produktivitätsfortschritt realisiert hat. Mit ihr können wir nicht nur ein hohes Zerspanvolumen realisieren, sondern erreichen auch hervorragende Bearbeitungsergebnisse. Da wir auf der Maschine vor allem die Vorbearbeitung von Muttern für Kugelrollspindeln durchführen, haben wir uns für eine stärkere Hauptspindel mit 700 Nm und 30 kW entschieden. Gegenüber der Vorgängermaschine hat sich damit die Ausbringung um über 30 % gesteigert.“

Großzügig dimensionierte Flachführungen

Maschinenseitig ist die LB 3000II-MC 1000 für die Schwerzerspanung bestens geeignet. „Bei der LB-Baureihe setzt Okuma nach wie vor auf großzügig dimensionierte Flachführungen, die neben der systemimmanenten hohen Steifigkeit auch für ausgezeichnete Dämpfungseigenschaften stehen“, sagt Dipl.-Ing. Malte Rutsch, Produktmanager Drehen im Produktbereich Okuma bei der Hommel CNC-Technik GmbH. „Zudem ist die Drehspindel neben zwei Schrägkugellagern zusätzlich vorne und hinten mit einem zweireihigen Zylinderrollenlager ausgerüstet.“ Diese Maschinenstabilität ist die Basis für die hohe Verfügbarkeit, und Alexander Bailer erklärt: „Die Okuma-Maschinen sind absolut zuverlässig genau und bieten eine sehr hohe Verfügbarkeit. Bei Dreh-Fräszentren sicher über 95 %, bei den Drehmaschinen deutlich höher. Für ein Unternehmen in unserer Größe und Ausrichtung ist es entscheidend, dass die Ausfallzeiten so gering wie möglich sind.“

Servicevertrag mit Hommel

Was aber, wenn doch einmal technische Probleme auftreten? Dazu der Geschäftsführer: „Der Service ist gut, ich möchte sogar sagen, besser als bei anderen Herstellern. Wir haben mit der Hommel CNC-Technik einen Servicevertrag abgeschlossen. Darin wird uns garantiert, dass wir innerhalb von 60 Minuten von einem kompetenten Ansprechpartner zurückgerufen werden und das ist auch gelebte Realität. Viele Probleme können schon bei diesen Gesprächen gelöst werden und zwar ohne, dass wir einen Servicetechniker in Anspruch nehmen müssen. Bislang hat Hommel sichergestellt, dass alle von uns benötigten Ersatzteile innerhalb eines Tages bei uns waren. Davon können andere Hersteller oftmals nur träumen.“

Hohe Maßstabilität

Und es gibt einen weiteren Pluspunkt, der es Alexander Bailer ganz besonders angetan hat: „Bei den LB- und LU-Maschinen kann ich bei Schichtbeginn problemlos ohne jede Warmlaufphase eine Passung in H7 drehen – und das ohne irgendwelche Maße kompensieren oder korrigieren zu müssen.“ Dafür sorgt neben dem so genannten Thermo-Friendly-Concept (TFC), die konstruktive Auslegung der LB-Baureihe. „Die LB3000 EX besteht aus einem 30°-Unterbau, auf dem das Kastenbett als tragendes Hochgenauigkeitselement für Schlitten, Spindelkasten und Reitstock montiert wird“, erläutert Produktmanager Rutsch. „Zur Vermeidung von ungleichmäßigen Deformationen durch unterschiedliche thermische Einflüsse sind die Maschinenbaugruppen aus geometrisch einfachen Elementen aufgebaut. So wird eine hohe Maßstabilität konstruktiv bereits ab Kaltstart erreicht.“ Und weiter: „Trotz der konstruktiven Maßnahmen unterliegt jede Maschinengeometrie natürlich auch äußeren thermischen Einflüssen. Beim TFC ermitteln deshalb in den Spindeln und in der Konstruktion platzierte Sensoren ständig die Ist-Temperatur. Da Okuma für jede Maschine ein thermisches Profil erstellt und somit die Ausdehnungscharakteristik der Maschinenbaugruppen genau kennt, kann die OSP-Steuerung negative Temperatureinflüsse in Echtzeit kompensieren. Die Korrekturen erfolgen in 0,1-µm-Schritten simultan zur Bearbeitung.“

Rund 20.000 Muttern pro Jahr

Wilhelm Spät, der regional zuständige Vertriebsmitarbeiter der Hommel CNC-Technik, verdeutlicht: „Damit wird eine hohe Maßstabilität schon ab Kaltstart und sogar bei sich um ±8 °C ändernder Umgebungstemperatur erreicht. In normaler Werkstattumgebung und bei Dauerbetrieb sind so Genauigkeiten um 5 µm erreichbar.“

Zurück zu den schon angesprochenen Muttern für Kugelrollspindeln. Diesen Auftrag von einem renommierten Hersteller bekam das Unternehmen Bailer, da keine der dort installierten Maschinen bei dem Werkstoff 40-mm-Bohrungen ins Volle prozesssicher durchführen konnte. Ein Bearbeitungsschritt, welcher der LB3000II nicht die geringsten Probleme bereitet. Pro Jahr werden rund 20.000 Muttern unterschiedlicher Größen vorbearbeitet, wobei die durchschnittliche Bearbeitungszeit durch die neue Maschine von über sieben auf knapp fünf Minuten reduziert werden konnte. Die Bearbeitungsreihenfolge bohren, außen schruppen und schlichten – dann das gleiche innen – klingt so wenig spektakulär wie die verlangte Toleranz von vier Hundertstel. Aber, so Alexander Bailer, die sind auch nicht ausschlaggebend: „Die Maschine könnte deutlich mehr, aber das entscheidende Kriterium ist das Spanvolumen und dabei macht der LB so schnell keine andere Maschine etwas vor.“

Genau angepasste Steuerung

Für Kunden von Bosch, Siemens, Bizerba, Wipotec, Gemü und Steinmeyer werden Dreh- und Frästeile für den allgemeinen Maschinenbau, die Hydraulik und Wägetechnik hergestellt. Dabei kommt eine weitere Stärke der Okuma-Maschinen zum Tragen: „Wir programmieren vieles direkt an der Maschine und dabei hilft uns die sehr bedienerfreundliche Okuma-Steuerung“, betont der Geschäftsführer. Die OSP-P300L ist mit zwei unabhängigen Betriebssystemen ausgestattet, wobei das offene Windows-Betriebssystem neben API/VBA und Programmen wie Excel zusätzliche USB, Ethernet und Browser übernimmt und der spezifische Okuma-Teil für die Maschinensteuerung und Werkstückbearbeitung zuständig ist. „Wir haben inzwischen vier oder fünf verschiedene Okuma-Steuerungen im Einsatz und können alle Programme problemlos von einer älteren Steuerung übernehmen.“

Noch einmal Malte Rutsch: „Okuma ist der einzige Werkzeugmaschinenhersteller von Weltruf, der als Single-Source-Hersteller alle bestimmenden mechanischen und elektrisch/elektronischen Elemente inklusive Steuerung selbst entwickelt und fertigt. Alles ist perfekt aufeinander abgestimmt. Während andere CNC-Volumenhersteller stets einen gemeinsamen Nenner für die unterschiedlichen Anforderungen der verschiedenen Werkzeugmaschinenbauer bei ihren Steuerungsentwicklungen berücksichtigen müssen, entwickelt Okuma die OSP-Steuerungen, Motoren und Wegmesssysteme exakt angepasst an die Serienmaschinen.“

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