Foto: Vollmer

Bearbeitungszentren

Vollmer legt Fokus auf Metall, IoT und die Grüne Wiese

Geschäftsführer Stefan Brand erklärt Hintergründe und welche Chancen er bei Bearbeitungsmaschinen für Metallwerkzeugen sieht - auch in Verbindung mit IoT.

von Harald Klieber

Die Geschäfte laufen besser denn je. Die global mit 800 Mitarbeitern agierende Vollmer Gruppe, Spezialist für die Werkzeugbearbeitung mit modernsten Schleif- und Erodiermaschinen in der Holz- und Metallindustrie, will sich aber weiter fokussieren. „Wir werden uns ab 2019 stärker auf den Metallmarkt konzentrieren. Dieser Markt ist sehr dynamisch. Dort kann die Vollmer Gruppe weiter deutlich wachsen. „Unser Gründungsgeschäftsfeld entlang der holzschneidenden Bandsäge haben wir zum Jahresende verkauft. Vollmer bleibt aber weiterhin in den anderen Produktbereichen dem Holz-Werkzeug verpflichtet“, definierte Geschäftsführer Dr.-Ing. Stefan Brand während der AMB die künftige Ausrichtung des Unternehmens, das pro Jahr zwischen 8 und 10% des Umsatzes in F&E investiert.

Der Kampf mit 500 Tagen Lieferzeit

Rund 60% erwirtschaftet Vollmer im Metallmarkt. Unterm Strich, so Stefan Brand, ist Vollmer mit dem bis dato in 2018 erzielten Umsatz sehr zufrieden. „Vollmer wird den Umsatz vom Vorjahr, der wirklich nicht schlecht war, auch dieses Jahr wieder toppen.“ Bremsen würden allerdings die Lieferzeiten. Besonders antriebstechnische Komponenten hätten lange, sehr lange Lieferzeiten von über 500 Tagen. „Das sind zweieinhalb Jahre, von der Bestellung bis zur Auslieferung unserer Anlagen. Das heißt: Mit diesen Lieferzeiten arbeitet die Industrie selbst daran, die Konjunktur abzuwürgen!“ Glücklicherweise zeigen Kunden Verständnis und tolerieren diese Lieferzeiten, so Stefan Brand. „Das spricht schon für die Qualität unserer Produkte, die wir natürlich immer weiter verbessern wollen.“ Den Schwerpunkt setzt Vollmer momentan mit einem individuell zugeschnittenen IoT-Konzept. Demnach zeigte Vollmer im Sinne einer Bottom-up-Strategie seine aktuellen IoT-Lösungen auf der AMB. Ziel sei, so Stefan Brand, damit den Datenaustausch zwischen Schärfmaschinen und den verschiedenen Industrie-4.0-Plattformen zu ermöglichen und zu verbessern. „Dafür hat Vollmer den IoT-Gateway entwickelt, um Daten von Maschinen zu visualisieren und zu verarbeiten. Ich bin sicher, dass wir in 5 Jahren keine einzige Maschine mehr verkaufen, die ohne IoT läuft. Die Vorteile sind einfach zu groß. Unsere Großkunden werden uns aber vorgeben, mit welcher Plattform die Maschinen kommunizieren müssen. Deshalb werden wir bei unseren Maschinen Standards hinterlegen für eine Grundbasis, um eine individuelle Konfiguration für den Kunden, soweit möglich, relativ kosten- und zeitneutral realisieren zu können – eben im Sinne der Lieferzeiten.“

20% mehr Produktivität im neuen Werk

Dass Vollmer schon IoT-ready ist, belegte Stefan Brand mit den auf der AMB vorgestellten, verfeinerten und weiter automatisierten Maschinen VGrind 360, VPulse 500 und deren Vernetzung, die an mehreren Monitoren angezeigt wurden. „Wir gehen aber noch einen großen Schritt weiter: Denn ab Frühjahr 2020, so ist der Plan, werden wir unser komplett neues Fertigungswerk am Rande von Biberach auf der Grünen Wiese bauen. Bis Ende 2022 wollen wir dann umziehen – und endlich im neuen Werk IoT anwenden und die großen Vorteile des superschnellen Datentransfers und der -kommunikation nutzen.“ Unterm Strich rechnet Stefan Brand mit einer erheblichen Produktivitätssteigerung durch den Umzug in das neue Werk. Nicht nur, weil bis dato viele Transportwege durch viele historischen Fertigungshallen um noch mehr Ecken und Tore zu machen sind. Sicher ist aber, dass künftig auch im neuen Werk alle entscheidenden Fertigungsverfahren und -abläufe anzutreffen sind. Auf einer nahezu gleichen Fertigungsfläche wird das Unternehmen deutlich effektiver und will die dadurch verfügbaren, zusätzlichen Kapazität für die Förderung von Wachstumspotentialen nutzen „Das Mehr an Produktivität kriegen wir allein durch neue, effizientere Abläufe hin. Vorsichtig kalkuliert, steigt so die Produktivität um rund 20% − ohne dabei mehr Fachkräfte einstellen zu müssen“, berichtet Stefan Brand.

VLaser und Hybrid vor Markteintritt

Bis zum Umzug ins neue Werk in 2022 müsste Vollmer auch deren nächsten bevorstehenden Quantensprung vollzogen haben: die Premiere einer Schärfmaschine auf Basis der Lasertechnologie. Schon im Frühjahr 2017 (NCFertigung 3-2017) informierte Stefan Brand, dass sich Vollmer im Rahmen der damaligen Neustrukturierung die Namensrechte neben VGrind und VPulse auch für die VLaser-Maschinen bereits gesichert hatte. Diese VLaser-Maschinen adressiert Vollmer für den deutlich steigenden Bedarf an Bearbeitungsmaschinen für rotative Werkzeuge, um beispielsweise die Schneiden der Werkzeuge mit bestückten PKD-Platten geometrisch, µm-genau und vor allem sehr schneidenschonend zu finishen. „Wir sind überzeugt, dass wir ein innovatives Maschinenkonzept entwickeln. Die Marktreife für die Lasermaschine und auch für unsere Hybridmaschine ist noch nicht gegeben - aber am zeitlichen Horizont schon sichtbar. Wir hoffen, dass diese zu einer der nächsten Messen erreicht wird.“

Im Video: Die neueste VPulse 500 hatte Vollmer auf der AMB vorgestellt. Wann allerdings die VLaser- oder die Hybrid-Maschine auf den Markt kommt, wollte Stefan Brand auf der AMB noch nicht verraten.

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