Die ersten offiziellen Bauteile der MPrint-Maschine aus Edelstahl präsentierte One Click Metal auf der Formnext: Neben einer Klammer und einem Distributionsblock stand auch dieses Gabelkreuz für einen Fahrradrahmen.
Foto: Harald Klieber

Thema der Woche 19/2020

So günstig kann Metall-3D-Druck sein

Was ist One Click Metal? Miriam Stiller und Designer Till Blaser erklären den neuen Metall-3D-Druck, der den Edelstahl-Druck erschwinglich machen soll.

Der neue Ansatz ist, dass jedermann künftig mit den neuen BoldSerie-Anlagen von One Click Metal Metall-3D-Druck selbst durchführen kann. Bauteile aus Aluminium, Edelstahl und Werkzeugstahl werden einfach selbst produziert. Offiziell im April 2019 gegründet, sitzt die One Click Metal GmbH in Tamm 18 km nördlich von Ditzingen an der A81. Noch sind die komplett neu designten Additiv-Maschinen nicht verfügbar. „Geplant ist, dass die ersten Maschinen Ende Juli 2020 ausgeliefert werden“, kündigt Marketingexpertin Miriam Stiller an. Der Grundpreis nur für die Basismaschine, die M-Print, wird bei rund 55.000 EUR liegen. „Der günstige Preis hat natürlich seine Gründe“, berichtet Industriedesigner Till Blaser.

Drei Komponenten, ein System

Das komplette System besteht allerdings aus drei Komponenten: M-Prep, der Software zur Datenaufbereitung; M-Print, dem Metall-3D-Drucker und der Auspackstation M-Pure. Alle drei Teile zusammen resultieren in einem System, das es dem Benutzer ermöglicht, den gesamten Druckprozess eines Metallteils leicht zu verstehen. Das Konzept hinter dem System ist einfach: Alles so einfach wie möglich halten, damit jeder das System auch ohne ein tiefes Verständnis von AM-Technologien bedienen kann. Mehrere intelligente Lösungen wie das Pulverkartuschensystem, die intuitive HMI oder das Poka-Yoke-Design unterstützen diese Idee weiter. One Click Metal adressiert damit nach Angaben von Till Blaser die größten Barrieren der AM-Branche – eben hohe Kosten und hohe Komplexität – die man mit einer durchdachten Prozesskette aushebeln möchte.

„Metall-3D-Druck erschwinglich machen“

Aber wird das gelingen? Mit einem Preis von rund 76.000 EUR für M-Print und M-Pure ist es im Vergleich zu anderen Metall-3D-Druckern auf dem Markt mehr als erschwinglich, stuft Till Blaser das Preisniveau ein. Die Auslieferung beginnt voraussichtlich im Juli 2020. Bis dahin wird das Unternehmen sein System weiterentwickeln und sicherstellen, dass es den Bedürfnissen seiner Kunden entspricht.

„Unsere Kernidee ist die Demokratisierung des Metall- 3D-Drucks – wir möchten Metall-3D-Druck für den Mainstream erschwinglich und zugänglich machen. Dafür haben wir mit rund 20 Mitarbeitern die BoldSeries entwickelt. Unsere erste Produktserie, mit der wir smarte und simple Ideen innerhalb der Metall-AM-Industrie weiter entwickeln und realisieren wollen, um unser Ziel zu erreichen: Wir wollen jedem Unternehmen die Möglichkeit geben, einen eigenen Metall-3D-Drucker zu besitzen und ihn einzusetzen“, erklärt Till Blaser. Addressierte Märkte der Laser-Powder-Bed-Fusion-Technologie sind das Tooling, die Industrie, Job Shops, F&E und die Bildung. Als Kunden definiert Miriam Stiller die KMUs, Bildungseinrichtungen sowie F&E.

Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Dass auch günstige Maschinen richtig gute Leistung bringen, belegt Till Blaser vor allem mit den Exponaten auf der Formnext. Das beginnt bei der Software zur Datenaufbereitung: M-Prep wird One Click Metal in drei Preisstufen anbieten, die entsprechend funktionell als Basic, Premium und Ultimate ausgestattet sind und den Anwender vom manuellen und automatischen Erstellen von Modellen und Leichtbauteilen, Gitterstrukturen und Stützen bis zur Voreinstellung des Prozesses und Simulation begleiten. „Da sind schon spannende Features dabei, wie die thermische Simulation, Counter-Deformation, Re-Coater Impact Detection oder die Shrinkline/Whiteline Detection.“

Till Blaser empfiehlt das einfache Handling der ersten One-Click-Metal-Maschine M-Print: „Die Kartuschen kann jeder Bediener fast wie bei einem Farbdrucker wechseln und in einem Wertstoffkreislauf neu befüllen lassen.“

Aufgaben werden automatisch erledigt

Damit, so Till Blaser, und der Schichtvorschau samt Dateiexport könnten viele digitale Aufgaben sogar vielfach automatisch erledigt werden. Bei der geöffneten M-Print-Maschine würden dagegen sofort die vier Vorratspulverkartuschen und die Prozesskammer ins Auge fallen. Das Pulver wird mit einer X-Lippe aufgetragen, der Laser verfügt über 100 W, der Fokus über 100 µm Durchmesser, die Scan-Geschwindigkeit liegt bei maximal 200 mm/s. Der Bauraum ist bis dato auf einen Würfel mit 150 mm Seitenlänge begrenzt, die Schichthöhe auf 20 bis 200 µm. Die Auflösung der Z-Achse gibt One Click Metal mit unter 5 µm an. Beim Maschinen-Preis von rund 55.000 Euro enthalten sind bereits die Substratplatte, Baumodul, Beschichtermedium, Vorfilter, Hepafilter, Gasfilter und Sauerstoffsensor.

Foto: Harald Klieber
Überzeugende innere Werte für den Metall-3D-Druck: Der Bauraum ist bis dato auf einen Würfel mit 150 mm Seitenlänge begrenzt, die Schichthöhe auf 20 bis 200 µm. Die Auflösung der Z-Achse gibt One Click Metal mit unter 5 µm an.

Sicheres Pulver-Handling

Highlight der M-Print-Anlage für den Metall-3D-Druck ist nach Angaben von Till Blaser tatsächlich der besonders einfache Umgang mit der Maschine und dem Pulver. „Das geht mit Poka-Yoke los, sämtliche für den Anwender relevanten Bedienelemente sind deshalb in leuchtendem Grün leicht zu erkennen. Und der Umgang mit Metallpulver durch das einmalige Pulverkartuschensystem sehr einfach.“