Blick in den Arbeitsraum der neuen Präzisions-Drehmaschine: Es können zwei Werkstücke simultan bearbeitet werden.
Foto: Weisser

Werkzeugmaschinen

Präzisionsdrehmaschine für neue Branchen

Mit der horizontalen Präzisions-Drehmaschine Artery für die Dreh-Fräs-Komplettbearbeitung will J.G. Weisser Söhne neue Kunden gewinnen.

von Rüdiger Kroh

Neue Kundenkreise will J.G. Weisser mit der horizontalen Präzisions-Drehmaschine Artery ansprechen. Die komplett neu konstruierte Multifunktionsmaschine dient dem Ziel, sich breiter aufzustellen. „Unser Hauptgeschäft ist mit einem Anteil von rund 95 % die Automobilindustrie“, erklärt Geschäftsführer Thorsten Rettich. „Für die Zukunft verfolgen wir jetzt eine duale Strategie. Zum einen wollen wir unsere Vorzüge in das Thema Elektromobilität einbringen und dort Systemlösungen anbieten, zum anderen planen wir, mit unserem Know-how aus der Automobilindustrie andere Branchen zu erschließen.“

Wandmaschine mit hoher Flächenproduktivität

Entsprechend richtet sich die neue Drehmaschine an Unternehmen aus dem Maschinenbau, der Medizintechnik sowie der Luft- und Raumfahrtindustrie mit hohem Anspruch an die Werkstückpräzision. „Wir begeben uns mit der Maschine in einen hart umkämpften Markt, das ist uns bewusst“, sagt Rettich und hebt gleich ein Alleinstellungsmerkmal hervor: „Die Artery ist eine sogenannte Wandmaschine und als linke und rechte Variante konfigurierbar. Sie kann direkt an die Wand gestellt werden oder es lassen sich auch zwei Maschinen Rücken an Rücken platzieren. Wir sparen so etwa 5 m² ein und erreichen eine hohe Flächenproduktivität.“

Mietmodell beinhaltet Wartung und Instandhaltung

Der Anspruch an die Genauigkeit in der Fertigung der Maschine lautet bei Weisser „mechanisch Null“. „In die Entwicklung der Artery sind unsere Erfahrungen aus der Automotive-Branche eingeflossen; sie bietet ein Höchstmaß an Präzision und Prozesszuverlässigkeit“, so der zuständige Vertriebsleiter Sven Sickinger. „Die Drehmaschine überzeugt mit hohen Bearbeitungsgenauigkeiten, einem günstigen Einstiegspreis in die High-End-Klasse und einem nutzenorientierten Mietkonzept Pay-per-Use, bei dem Wartung und Instandhaltung integriert sind. Der Kunde zahlt bei diesem Mietmodell nur, wenn die Anlage produziert.“ Geschäftsführer Rettich ist überzeugt, damit ein effektives Paket geschnürt zu haben. „Wir bieten High-End-Maschinenleistungen zu außerordentlich attraktiven Konditionen.“

Schwingungstechnisch optimiert

Weitere Kennzeichen der Drehmaschine sind laut Angaben die hohe Schwingungsdämpfung sowie die Rund- und Planlaufgenauigkeit der Haupt- und Gegenspindel. Steife Führungen sollen dazu beitragen, die Absolut- und Dauergenauigkeit deutlich zu erhöhen. Die gesamte Maschine ist schwingungstechnisch optimiert und thermosymmetrisch konstruiert. Die Z-Achse ist besonders lang ausgeführt und daher sehr gut für eine 6-Seiten-Stangen-Komplettbearbeitung oder für lange Werkstücke geeignet, heißt es weiter. Dank des kompakten Fräskopfs mit HSK-T63-Aufnahme können auch lange Werkzeuge stirnseitig zum Einsatz kommen.

Drei verschiedene Arbeitsraum-Konfigurationen

Die Bedienung erfolgt mit dem Weisser-Frame-Panel (21,5-Zoll-Mehrfenster-Display). Integriert ist das Weis-ser-360-Diagnosezentrum mit Multitouch-Technik, das eine parallele Aktivierung von Berührungspunkten und ruckfreie Schieb- und Drehbewegungen erlaubt. Informationen werden übersichtlich auf mehreren Fenstern im Display angezeigt und Symbole zur intuitiven Visualisierung sorgen für eine rasche Diagnose des Maschinenzustands.

Drei Arbeitsraum-Konfigurationen ermöglichen bei der Artery das Weich- und Hartdrehen, Fräsen, Bohren sowie Reiben.

▶ In der ersten Variante kann durch die B-Achse mit einer Frässpindel sowie einem mit Scheibenrevolver ausge-statteten Werkzeugträger und Gegenspindel von der Stange gedreht und gefräst werden. Zudem ist diese Konfi-guration standardmäßig mit einem 37-fachen Werkzeugwechsler ausgerüstet. Neben der 6-Seiten-Komplettbearbeitung ist ein zeitparalleles Drehen und Fräsen von der Stange oder von Werkstücken mit einer Drehlänge bis 1.200 mm und einem Durchmesser bis 65 mm möglich; das gilt für alle Maschinenvarianten.

▶ Eine zweite Ausführung ist für das multifunktionale Drehen durch 4-Achs-Komplettbearbeitung mit zwei Werkzeugträgern mit Scheibenrevolver und Gegenspindel ausgestattet. Sie eignet sich nach Angaben von Weisser besonders gut für das Produktionsdrehen von mittleren bis hohen Stückzahlen. Aufgrund der Zwei-Revolver-Anordnung kann drehzahlabhängig nahezu immer parallel gearbeitet werden.

▶ Eine dritte Konfiguration verfügt über zwei Werkzeugträger ohne Gegenspindel. Optional ist diese Variante mit Reitstock ausrüstbar und eignet sich für mittellange bis lange Wellen.

Additive Fertigung mit dem Reibschweißverfahren

Alle drei Grundvarianten können nach Kundenanforderungen weiter modifiziert werden. So ist zum Beispiel ein 90- oder 125-fach Werkzeugwechsler verfügbar. Eine Ausstattung zum Rotations- und Unrunddrehen ist auf Kundenwunsch möglich. Zur dualen Strategie gehört auch das Thema additive Fertigung. Weisser setzt dabei auf ein Reibschweißverfahren, mit dem unterschiedliche metallische Werkstoffe miteinander verbunden werden können. Es ar-beitet mit festen Materialien und nicht mit Pulvern. „Unser additive friction welding ist sowohl als 3D-Druck- als auch als Beschichtungsverfahren einsetzbar und erreicht ein hohes Auftragsvolumen“, betont Rettich.

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