Ebenfalls mit Sinumerik 840D sl ausgestattet: das 5-Achs-Bearbeitungszentrum von Hermle.
Foto: Siemens AG

Thema der Woche 15/2019

Haben Sie eine CNC für Eilaufträge?

Welche ist die richtige Steuerung, um unangekündigte Einzelstückaufträge mit 24h Lieferzeit anzunehmen? Die ProfitLogistics GmbH hat sich mit der passenden CNC auf Eilservices spezialisiert.

von Julian Biberger, Wolfgang Reichart, Karl Netouschek Das neue, hochmoderne Firmengebäude der ProfitLogistics thront auf einer Anhöhe bei Wartberg an der Krems. Vor dem 2014 erbauten Gebäude genießt der Besucher einen herrlichen Ausblick über die oberösterreichische Landschaft bis hin zu den Vorläufern der Alpen. Bei den Auftragsbeständen jedoch verzichtet Gründer und Geschäftsführer Marcus Pammer bewusst auf langfristige Ausblicke: „Unser Auftragsbestand überschreitet nur selten die 14 Tage. Andere CNC-Fertiger würde das wohl nervös machen, bei uns reflektiert es den Erfolg unseres Geschäftsmodells.“ Seine Kunden sind Unternehmen aus Motorsport, Flugzeugbau, Modell- und Formenbau und Industrie, die einen Prototypen, ein Einzelstück oder eine Kleinstserie nicht nur präzise und zuverlässig, sondern auch ganz besonders schnell gefertigt haben wollen. Der gelernte Schreiner und CNC-Autodidakt hat sein Unternehmen komplett auf Eilaufträge, also die CNC-Bearbeitung und den Zuschnitt mit extrem kurzen Durchlauf- und Lieferzeiten ausgerichtet. Auf seinem Mobiltelefon hat der energetische Unternehmer auch gleich ein aktuelles Beispiel parat: „Hier die Mail mit dem Auftrag: 7.54 Uhr. Gewünschter Liefertermin: heute Nachmittag – und das klappt. Für uns ist Montag, 14.15 Uhr ein normaler Liefertermin. Terminsetzungen nach Kalenderwochen kenne ich überhaupt nicht mehr.“

Express-Services sind echte Wettbewerbsvorteile

Wie lassen sich solche Termine und Lieferzeiten zuverlässig realisieren? Bei ProfitLogistics ist die gesamte Organisation schlank gehalten, Prozesse und Technik ganz auf die Nische Eilaufträge ausgerichtet. Das beginnt schon bei der Kommunikation mit den Kunden: Einfach gehalten und überwiegend elektronisch. Materialzuschnitte können Kunden über einen Webshop auf Basis von Standardgrößen schnell konfigurieren und beauftragen. Über 60% der Aufträge im Bereich Zerspanung bekommt das siebenköpfige Team direkt und ohne vorab ein Angebot zu erstellen. Kein Wunder, denn die Gesamtdurchlaufzeit ist mit oft nur wenigen Stunden deutlich kürzer als die Zeit, die andere CNC-Fertiger und Kunden gewöhnlich mit Anfrage, Erstellung und Abstimmung eines Angebots verbringen. Kommen Eilaufträge also vorwiegend von Kunden, die ihre eigenen Prozesse nicht im Griff haben oder einmalig Ausfälle in der eigenen Produktion kompensieren müssen? Das kommt vor, ist aber die Ausnahme. Vielmehr sind die meisten Auftraggeber Stammkunden, die wie der Motorsport zu Schnelligkeit verdammt sind oder die Eilservices von ProfitLogistics als eigenen Wettbewerbsvorteil nutzen. Auch diese langfristige Bindung zu vielen Kunden nutzen die Wartberger, um Tempo zu machen: So sind Toleranzgrenzen mit Motorsport-Kunden werkstückübergreifend vereinbart, dann kann man bei den CAD-Daten für den Einzelauftrag auf deren Angabe verzichten. Oder es gibt Kunden, bei denen sich Marcus Pammer die Aufträge und CAD-Daten direkt aus deren Supply Chain Management System abholt, in den eigenen Systemen verarbeitet und dann die Kosten und Lieferzeiten zur Entlastung des Kunden auch noch selbst in deren System zurück schreibt.

Sinumerik für die Vernetzung

Auch der Maschinenpark mit 5-Achs CNC-Fräsmaschinen von Hermle, FPT, Alzmetall und Reichenbacher sowie mit einigen Sägen unterstützt das Geschäftsmodell. Werkstoff ist zu 90% Aluminium, die verbleibenden 10% sind Faserverbundmaterialien und Kunststoffe, selten Stahl. Aus den CAD-Daten der Kunden werden in der Arbeitsvorbereitung die Programme in der CAM-Software erstellt und kritische Bearbeitungsschritte zur Sicherheit im CAM-Programm simuliert. Freigegebene Programme werden im Netzwerk gespeichert und von dort abgearbeitet – ohne zuvor noch auf die Maschine kopiert werden zu müssen. Diese Netzwerkfunktionalitäten der Siemens-Steuerungen sparen dem Unternehmen viel Zeit und sind ausschlaggebende Gründe, warum Pammer komplett auf Sinumerik setzt. Eine Reichenbacher wird über 840D powerline mit HMI Advanced, eine Alzmetall über Sinumerik 840D powerline mit ShopMill und eine Hermle mit Sinumerik 840D sl und Sinumerik Operate gesteuert. Die neueste Investition ist eine FPT mit Sinumerik 840D sl mit dem neuesten Softwarestand. An verschiedenen Maschinen sind auch Optionen wie Top Surface, Reibkompensation und MDynamics installiert, um die Oberflächengüte und Präzision in der Bearbeitung zu maximieren.

Zeitgewinn im Vordergrund

Die Programmiermöglichkeiten an den Sinumerik-Steuerungen der Maschinen werden allenfalls gelegentlich und für kleinere Programmanpassungen genutzt – beispielsweise um durch das Verkürzen unnötig großer Sicherheitsabstände und Verfahrwege die Bearbeitungszeit bei schon laufender Zerspanung noch weiter zu reduzieren. „Ich habe früher im In- und Ausland als Programmierer, in der Anwendungsunterstützung und beim Einfahren von Maschinen gearbeitet und dabei verschiedenste Steuerungen kennengelernt. Viele Hersteller sind auf Standards für Serien und isolierte Maschinen ausgerichtet. Die hochflexible, zeitoptimierte Zerspanung von Einzelstücken und Kleinstserien stellt jedoch deutlich höhere Ansprüche. In puncto hochflexibler Fertigung, Vernetzung und Digitalisierung, aber auch bei der Unterstützung durch den technischen Support ist die Sinumerik für mich die erste Wahl“, erläutert Marcus Pammer. So unterstützte der Siemens Mechatronik Support bei der Optimierung von zwei Maschinen. Die Siemens Mechatroniker analysierten die Maschinen und ihr Verhalten bei der Abarbeitung der Programme und unternahmen dann Feinjustierungen der Regler- und Motorparameter zur weiteren Optimierung der erreichbaren Oberflächengüten. Mit Erfolg. „Das war schon beeindruckend. Diese Art von Support und Feinoptimierung geht ja weit über den normalen Anwendersupport hinaus – und hob die Anlage auf das von uns gewünschte Qualitätsniveau“, so Marcus Pammer.

Einheitliche Bedienoberflächen machen flexibler

Die sechs Mitarbeiter werden flexibel im 2-Schichtmodell und auftragsorientiert an den verschiedenen Maschinen eingesetzt. Da ist es gut, dass die Sinumerik-Steuerungen in verschiedenen Versionen, an allen Maschinentypen und für verschiedene Aufgaben annähernd identisch zu bedienen sind. Auch sonst zeigt sich Marcus Pammer als Freund fortschrittlicher Vernetzung und umfassender Transparenz. Egal wo er ist, kann er über sein Mobiltelefon fast alles einsehen und vieles steuern – von Auftragseingängen, Statusmeldungen der Maschinen bis hin zu einer im Eigenbau entwickelten Automatisierung und Remote-Steuerung des Kühlmittelkreislauf. Schnelligkeit auch in der Logistik: Mit den Materialzulieferern sind langfristig, feste Abnahmemengen vereinbart – dafür müssen diese als Gegenleistung bei Abrufen eine bevorzugte, extrem schnelle Belieferung garantieren und unterstützen so das Geschäftsmodells ihres Partners ProfitLogistics. Fazit: Nach dem 2014 erfolgten Umzug aus einem alten, umgebauten Bauernhof in den modernen Firmenneubau ist das Unternehmen weiter gewachsen, hat seinen Maschinenpark nochmals deutlich ausgebaut. Die Konzentration auf Eilaufträge und Express-Services ist für Marcus Pammer und das Team der ProfitLogistics also eine extrem erfolgreiche Strategie. Sie erfordert durchgängig auf Geschwindigkeit optimierte Prozesse und hochmoderne, vernetzte Systeme und Sinumerik-Steuerungen. Und selbst dann ist sie wohl nichts für schwache Nerven.

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