Foto: NCFertigung

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Digital macht noch keine Späne

Digitalisierung war das Thema der AMB. Die Branche zeigte aber mehr: Viele neue Werkzeuge, Maschinen, Technologien versprechen noch bessere Produktivität.

von Harald Klieber

Das war eine AMB! Die Messewege waren richtig voll. Die Werkzeug- und Maschinen-Hallen 1, 3 und 10 am Freitag nur noch langsam passierbar. Die Aussteller waren begeistert. Beim Branchentreff des VDMA-Fachverband Präzisionswerkzeuge resümierte der Vorsitzende Lothar Horn am Messe-Donnerstag bereits, dass die Stimmung gigantisch sei, besser als noch auf der EMO 2017. Es sei die beste AMB seit Jahren. Zwei Gründe führte Lothar Horn an: deutlich mehr Platz mit der neu hinzugewonnenen Halle 10 und erstmals über 300 ausstellende Präzisionswerkzeughersteller, die die deutsche Technologieführerschaft eindrucksvoll unterstrichen hatten. „Es ist eine fantastische AMB. Alle Beteiligten rund um die AMB können stolz auf das sein, was geleistet wurde.“ Nicht zuletzt wegen der AMB erwartet der Fachverband ein neues Umsatz-Allzeithoch für 2018, das, so Lothar Horn, wohl 5-6-7% über Vorjahresniveau liegt − und so dem Wachstum der letzten 10 Jahre folgt und die Krone aufsetzt.

Mahnung: Netzwerke müssen noch besser werden

Dennoch mahnte Lothar Horn zur Weiterentwicklung. Gerade die digitalen Netzwerke müssten noch verbessert werden, die Prozesse noch gläserner und damit schneller. Einen großen Beitrag für noch mehr Geschwindigkeit und Präzision könnte demnächst schon das gemeinsam von Big Kaiser und Kistler präsentierte System zur äußerst präzisen Zerspankraftmessung liefern. Dabei werden auf Basis eines scheibenförmigen piezoelektrischen Sensors Kräfte und Drehmomente bei bis zu 12.000 min-1 gemessen. Ziel ist, damit vor allem große Zerspankräfte beim Bohren und Fräsen in der Schwerzerspanung zu messen, zu analysieren und zu optimieren. Erste Bilder finden Sie dazu in unserer Fotoreportage (Die 19 NCF-Highlights der AMB), die weitere digitale Highlights offenbart: wie das EWA-Feinbohrwerkzeug von Big Kaiser, das jetzt via App und Apple Watch einstellbar ist; oder den ersten ‚intelligenten Planfräser‘, den der Werkzeughersteller Avantec und die Universität Stuttgart mit zahlreichen Sensoren bestückt hat, um Bearbeitungskräfte, Temperaturen und Beschleunigungen aufzunehmen und auszuwerten.

Digital hat bislang nur fertigungsvorbereitenden und prozessoptimierenden Charakter

Ja, Digitalisierung war das Thema der AMB. Gerade die oben genannten Beispiele zeigen aber, dass der Wirkbereich der Digitalisierung vielfach noch fertigungsvorbereitenden und prozessoptimierenden Charakter hat. Greifbare Produktivitätsvorteile demonstrierte dagegen das neue Werkzeugträgersystem von Benz in dem Elha Transferzentrum FM Smart und natürlich die aus meiner Sicht größte Innovation der AMB: das FreeTurn-Wendeschneidplatten-Werkzeug von Ceratizit, weil damit künftig alle bekannten Drehoperationen von Schlichten bis Konturdrehen ausgeführt werden können. Und noch mehr: Links und rechts können nur durch einen kleinen Werkzeugschwenk Hinterschneidungen angedreht werden. So einfach, so effektiv. Da steckt viel Potenzial drin. Nötig ist aber ein Dreh-Fräs-Zentrum.

Neue Technologie Speed-Forming

Ebenfalls technologisch sehr interessant erscheint das von Horn weiterentwickelte Hobeln. Auf der Messe als Speed-Forming vorgestellt, räumt das Verfahren im Eiltempo Nuten bis 20 mm Tiefe. Bits und Bytes machen also nach wie vor keine Späne. Für neue Produktivitätssprünge braucht es weiterhin neue Werkzeugschneiden, die aber zugegebenermaßen mehr denn je von superschnellen Steuerungen und Zyklen zur Höchstleistung gepusht werden. 5G wird da bald eine neue Dimension eröffnen.

Präzisionswerkzeuge

Wie Horn Hobeln, Wirbeln und Polygondrehen optimiert?

Indem der Hersteller auf Technologie und innovative Schneiden setzt: Beim Polygondrehen, beim Wirbeln und beim Hobeln, das jetzt Speed-Forming heißt.

Präzisionswerkzeuge

Fräspotenzial

Eindrucksvolle Beweise für seine Fräskompetenz lieferte Horn während der 6. Technologietage in Tübingen über 3.000 Besuchern: wie die neuen Titan- oder Verzahungsfräser, die das Spanvolumen verdoppeln sowie gut 20% schneller fräsen.

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Die Top-Märkte für deutsche Werkzeuge

Rekordjahr auf Rekordjahr: Auf 10,6 Mrd. Euro schätzt der VDMA-Fachverband Präzisionswerkzeuge den Umsatz in 2017. 2018 sollten es 11,1 Mrd. sein. Es gibt aber auch Probleme.

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Die Zukunft heißt Horn

Die Weichen sind gestellt: Markus Horn ist neben seinem Vater Lothar Horn neuer Geschäftsführer des Tübinger Werkzeugherstellers.