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Heller-CEO Reinhold Groß: „Unser aktuelles Wachstum und weitere Potenziale leiten sich aus den vielfältigen Anwendungen der Zerspanung ab und nicht unmittelbar aus dem Segment Automobilbau.
Foto: Heller
„Wir werden umfassend Produkte zur Verfügung stellen, die den Gesamtprozess des Kunden positiv beeinflussen“, sagt Reinhold Groß, CEO der Heller-Gruppe.

Bearbeitungszentren

Den Gesamtprozess des Kunden positiv beeinflussen

Der neue CEO der Heller-Gruppe, Reinhold Groß, sieht eine wichtige Aufgabe darin, Produkte anzubieten, die den Gesamtprozess des Kunden positiv beeinflussen.

Seit Anfang des Jahres ist Reinhold Groß CEO der Heller-Gruppe. Im Interview berichtet er, dass über 60 % des Neugeschäfts bei Heller inzwischen von außerhalb der Fahrzeugindustrie kommt. Für ihn sind alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung des Unternehmens gegeben. Dies sei aber kein Selbstläufer, sondern ein Weg, der gegangen werden muss.

Herr Groß, Sie sind im November 2021 von Trumpf zu Heller gewechselt. Auf den ersten Blick also von einem Werkzeugmaschinenhersteller zum anderen und von einem Familienunternehmen zum nächsten. Wie unterscheiden sich die beiden Unternehmen und Ihre Aufgaben denn trotzdem?

Reinhold Groß: Die Unternehmen unterscheiden sich vor allem in der Unternehmensgröße und den daraus abgeleiteten Prozessen und Strukturen. Die unmittelbare Anwendung ist natürlich ebenfalls unterschiedlich, wobei sich die Aufgabenstellungen der Kunden wiederum sehr ähneln. Meine Aufgabe unterscheidet sich unter anderem dadurch, dass ich von einer Vertriebs- und Serviceverantwortung in eine Gesamtverantwortung gewechselt bin und dadurch einen noch höheren Anteil an strategischen Aufgabenstellungen habe. 

Was waren die Beweggründe für Ihren Wechsel?

Reinhold Groß: Die liegen hauptsächlich im genannten Größenunterschied. In meinen 26 Jahren bei Trumpf ist das Unternehmen sehr gewachsen und musste aufgrund der Unternehmensgröße konzernartige Strukturen aufbauen. Ich habe für mich festgestellt, dass ich mittelständische Prinzipien bevorzuge und habe mich deshalb zu einer Veränderung entschieden. Trumpf ist und bleibt aber eine sehr gute Firma und ich habe das Unternehmen im besten Einverständnis und mit unverändert hoher Wertschätzung der Eigentümerfamilie gegenüber verlassen. 

Sie sind seit Beginn des Jahres jetzt CEO der Heller-Gruppe. Bei neuen Positionen wird gerne nach 100 Tagen Bilanz gezogen. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Reinhold Groß: Alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung sind gegeben: Eine sehr kompetente und sehr loyale Mitarbeiterstruktur, durch 100 % Familienbesitz eine solide, langfristig orientierte Eigentümerstruktur, starke Produkte, einen ausgezeichneten Service und ausreichend Marktpotenzial. Die Nutzung all dieser Bausteine zu einer erfolgreichen Weiterentwicklung ist aber kein Selbstläufer, sondern ein Weg, der gegangen werden muss. 

Der wichtigste Abnehmer für Heller-Werkzeugmaschinen ist nach wie vor die Automobilindustrie. Wie groß ist aktuell der Anteil und wie schätzen Sie die weitere Entwicklung des Verbrennungsmotors ein?

Reinhold Groß: Die Aussage kann ich nicht bestätigen. Über 60 % des Neugeschäfts kommt inzwischen von außerhalb der Fahrzeugindustrie. Der Umsatzanteil, der insbesondere mit Verbrennungsmotoren in Verbindung steht, liegt unter einem Viertel. Dieser kommt aber ganz überwiegend aus dem Nutzfahrzeugbereich. Die Anlageninvestitionen für Verbrennungsmotoren in der Pkw-Industrie sind heute bereits äußerst gering. Die Aufgaben im Bereich des Verbrennungsmotors verschieben sich stark in den Erhalt und die Optimierung der Anlagen, zum Beispiel durch Umbau, Automatisierung, Überholung und Verlagerung. Das Ziel ist dabei, die Nutzungsdauer installierter Produktionssysteme zu verlängern.

Welche Chancen sehen Sie für Heller in der E-Mobilität? Gibt es bereits nennenswerte Aufträge?

Reinhold Groß: Die Bearbeitung von Strukturkomponenten aus dem Trend zu Giga Castings ist ein interessantes Feld, das sich aktuell im direkten Umfeld der E-Mobilität abzeichnet. Unabhängig davon leiten sich unser aktuelles Wachstum und weitere Potenziale aber aus den vielfältigen Anwendungen der Zerspanung ab und nicht unmittelbar aus dem Segment Automobilbau.

Welche Branchen außerhalb der Automobilindustrie haben Sie im Fokus und wie stark ist Heller in diesen Segmenten aufgestellt?

Reinhold Groß: Prinzipiell adressieren wir alle Branchen, die 4- oder 5-Achs-Bearbeitungszentren nutzen - mit den größten Wettbewerbsvorteilen, wenn es um große Zerspanungsvolumina und kurze Bearbeitungszeiten bei einer hohen Genauigkeit geht. Sehr gut positioniert sind wir in diesen Anwendungen zum Beispiel im Bereich Aerospace, in der Hydraulik- und Pneumatikindustrie und im allgemeinen Maschinenbau.

Wie groß ist das Einzelmaschinengeschäft bei Heller und welchen Anteil wollen Sie in den nächsten Jahren erreichen?

Reinhold Groß: Wir bezeichnen diesen Markt intern als Flächenmarkt, um die breite Streuung in regionaler Ansiedlung und Anwendung zu reflektieren. In diesen Anwendungen geht es meist um Komplettlösungen, bestehend aus Maschinen, Automatisierungslösungen und digitalen Schnittstellen. Dies hat deshalb wenig mit einer Einzelmaschine zu tun. Der Anteil dieses Marktes ist heute bereits bestimmend und wird weiterwachsen. Wir steuern das nicht bewusst aus, sondern folgen den Entwicklungen der Märkte.

Heller hat sich zum Ziel gesetzt, seine Präsenz in Asien und Nordamerika auszuweiten. Wie weit sind Sie bei diesem Vorhaben?

Reinhold Groß: In Nordamerika sind wir in einer vielversprechenden Position mit sehr gutem weiteren Potenzial. Die Aufstellung ist dort weitgehend umgesetzt und trägt sichtbar Früchte in weiteren Industriesegmenten. Etwas verzögert gegenüber unseren Planungen sind wir in Asien unterwegs, weil die Covid-Krise und die nach wie vor bestehenden Einreiserestriktionen, vor allem in China, die Umsetzung der Initiativen erschwert. Dennoch sehen wir in China aktuell einen erfreulichen Auftragseingang.

Welche Herausforderungen kommen nach Ihrer Einschätzung in den nächsten Jahren auf die Werkzeugmaschinenbranche zu?

Reinhold Groß: Da müssen wir bei den Herausforderungen unserer Kunden beginnen. Diese haben weiterhin Optimierungsdruck in ihren Prozessen und sind zusätzlich vom Fachkräftemangel betroffen. Daraus resultierend ist die Herausforderung für die Werkzeugmaschinenbranche weiterhin, die Gesamtprozesslösungen in den Vordergrund zu stellen. Und das bedeutet Automatisierung, Digitalisierung, Schnittstellen, intelligente Interpretation von Daten. Das sind alles keine neuen Themen, aber es gibt in der Branche diesbezüglich noch viel zu tun.

Welche Lösungen kann Heller dafür anbieten?

Reinhold Groß: Wesentlich ist hier eine hohe Beratungskompetenz aus der Erfahrung unzähliger vollintegrierter und automatisierter Systeme. Mit unseren Heller-4-Industry-Produkten können wir unsere Maschinen vollständig vernetzen und in Systeme integrieren. Wir stellen mit dem Heller Services Interface eine hohe Transparenz der Prozesse für den Endanwender dar und können Preventive-Maintenance-Funktionen anbieten. Zudem haben wir Laufzeitmodelle entwickelt, mit denen wir Produkte oder sogar einzelne Funktionen gemäß ihrer Auslastung berechnen können. Die Angebotspalette ist groß und auf Basis der intelligenten Interpretation der gesammelten Daten entstehen permanent weitere Angebote für die Prozessoptimierung.

In welche Richtung soll sich Heller in den nächsten Jahren entwickeln?

Reinhold Groß: Wir werden uns konsequent an unseren Kunden mit Zerspanungsanwendungen ausrichten. Dabei stellen wir deren Erfolg in den Vordergrund und werden umfassend Produkte zur Verfügung stellen, die den Gesamtprozess des Kunden positiv beeinflussen. Sei es in der Bearbeitung selbst, in der Materiallogistik oder in der durch Datennutzung optimierten Gesamtverfügbarkeit der Fertigung.

Anfang Mai fand das Heller Open House statt. Welche Neuheiten wurden den Besuchern dort präsentiert?

Reinhold Groß: Heller hat interessierte Fertigungsfachleute verschiedenster Branchen in sein Unternehmen nach Nürtingen eingeladen und dabei aufgezeigt, wie leistungsstarke Komplettbearbeitung in der Praxis funktioniert. Ein Schwerpunkt war dabei die Präsentation innovativer Technologien, wie die Herstellung von Verzahnungen über Power Skiving und Gear Hobbing, Drehoperationen über Interpolationsdrehen, Mill-Turn-Funktionalitäten und die Heller-Planzugeinrichtung sowie die Beschichtungstechnologie Heller CBC, die ihre Anwendung bei kompakten Antrieben mit kleinen Zylinderbohrungsdurchmessern findet. Außerdem konnten sich die Besucherinnen und Besucher einen Überblick über zahlreiche Automationslösungen, Services und passende Lösungen rund um die Digitalisierung verschaffen. Hervorzuheben ist dabei unter anderem mit Heller Opt der After-Sales-Service für die kontinuierliche Verbesserung von Fertigungssystemen und eine zielführende Produktionsoptimierung in der Fertigung, mit der Abläufe beurteilt, Probleme erkannt und Verschwendungen erfasst werden können.

Bearbeitung einer Schwenkwelle auf dem 5-Achs-Fräs-Dreh-Bearbeitungszentrum CP 8000. 
Ein mobiler Roboter bestückt das 5-Achs-Bearbeitungszentrum HF 3500. 
Der Rundspeicher sorgt für das automatische Rüsten von Paletten für die Serienproduktion.
Heller-CEO Reinhold Groß: „Unser aktuelles Wachstum und weitere Potenziale leiten sich aus den vielfältigen Anwendungen der Zerspanung ab und nicht unmittelbar aus dem Segment Automobilbau.“
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Foto: Fehlmann

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