Wie wird sich die Zerspanungsindustrie weiterentwickeln: Maßgeblichen Einfluss hat die Politik mit der Unterstützung und Steuerung der verschiedenen E-Mobilitätskonzepte.
Foto: Harald Klieber

Thema der Woche 4/19

Das sind die Umsatzbringer 2019

11,5 Mrd. Euro waren es 2018. Der Fachverband Präzisionswerkzeuge verzeichnet seit 2010 jährliche Umsatzrekorde. Was 2019 am besten wo läuft, erklären die VDMA-Experten.

Der vorläufigen Hochrechnung des VDMA zufolge hat die deutsche Präzisionswerkzeugindustrie im letzten Jahr rund 11,5 Mrd. Euro umgesetzt, was einem Umsatzwachstum von rund 8% entspricht. Für 2019 erwartet der VDMA allerdings nur ein Wachstum von 1% - aber eben auf Rekordniveau, betont der Vorsitzende des Fachverbandes, Lothar Horn.

Die besten Märkte für deutsche Präzisionswerkzeuge

Als Umsatztreiber fungierten nach Angaben von Lothar Horn bereits 2018 das Inland und insbesondere auch das USA-Geschäft. Der Export verbuchte insgesamt Zuwächse. In den ersten zehn Monaten konnte die Werkzeugbranche insgesamt ihre Lieferungen in das Ausland um 5% steigern, so Lothar Horn. Die USA bauten ihren Spitzenplatz im Ranking der wichtigsten Absatzmärkte aus, da die Lieferungen in den zweitgrößten Exportmarkt China nur leicht gesteigert werden konnten. Aber auch die europäischen Nachbarländer und praktisch alle weiteren Auslandsmärkte zeigten sich nachfragefreudig, nur der mexikanische Markt litt unter den Handelsquerelen mit den USA. Der Wachstumsschub sorgte erneut für zusätzlichen Bedarf an Fachkräften. Diese zu finden, wird immer schwieriger, aber 2018 konnte die Werkzeugbranche ihren Personalbestand noch einmal weiter auf rund 69.500 Mitarbeiter ausbauen, musste aber auch wieder viel mit Überstunden operieren, erklärt Lothar Horn.

Die Aussichten für 2019

Für 2019 rechnen die VDMA-Volkswirte nur noch mit einem Produktionswachstum von real 2% im Maschinenbau. Erwartet wird, dass sich das Tempo der Weltwirtschaft verlangsamt. Dies wird auch im Maschinenbau, der eine Exportquote von beinahe 80% aufweist, zu spüren sein. Positiv ist, dass die Aufträge in den Büchern derzeit im Durchschnitt noch eine Reichweite von 8,6 Monaten haben. Aber der anhaltende Handelsdisput der USA mit China, in den auch die EU noch stärker hineingezogen werden könnte, die Gefahr eines harten Brexits, die Sanktionen gegen Russland und Iran sowie die Verschuldungskrise Italiens sind nur die offensichtlichsten Hürden für das weitere Wachstum. Vom Inlandsmarkt erhofft sich die mittelständisch geprägte Industrie dagegen einen weiter anhaltenden Schwung: die Investitionen haben hierzulande zwar bereits angezogen, sind aber immer noch unterdurchschnittlich, berichtet der VDMA.

Automobilindustrie stagniert, Präzisionswerkzeuge stabil, Politik überreguliert

In der Pkw-Produktion lagen die deutschen Werke um 9% im Minus, die weltweite Gesamtfertigung der Branche verharrte 2018 auf dem Niveau von 2017. Auch für 2019 ist weltweit nur ein minimales Wachstum von 1% in Aussicht. Daher planen einige Autobauer einen Stellenabbau, berichtet der VDMA. Die leichte Beruhigung im Auftragseingang zum Jahresende lässt für 2019 ein nur noch moderat steigendes aber zumindest stabiles Geschäft erwarten. Trotz der unübersichtlichen weltpolitischen Lage sind die wirtschaftlichen Aussichten gebremst optimistisch. "Derzeit erwarten wir für 2019 ein Wachstum um 1%", resümiert Lothar Horn. Als Forderungen an die Politik richtete der Vorsitzende eine deutliche Botschaft: "Deutschland ist mittlerweile in vielerlei Hinsicht überreguliert. Das belastet die Unternehmen schwer. Denn die nicht wertschöpfenden Tätigkeiten nehmen immer mehr zu. Beispielsweise hat allein die Umsetzung der DSGVO-Vorgaben mein Unternehmen mindestens 1.500 Arbeitsstunden gekostet. Verstehen Sie mich nicht falsch: Natürlich sehen wir den Datenschutz als ein sehr hohes Gut an und sind auch schon vor der DSGVO mit personenbezogenen Daten verantwortungsvoll umgegangen. Aber wenn wir hier in Deutschland wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen wir endlich mit der Entlastung der Unternehmen von bürokratischen Hilfstätigkeiten Ernst machen. Ein weiteres aktuelles Beispiel ist die EU-Entsenderichtlinie."

Zerspanwerkzeuge setzen Aufwärtstrend fort - stark in den USA

Sehr positiv präsentierte der VDMA die erste Teilbranche der Präzisionswerkzeuge, die Zerspanwerkzeuge. Demnach konnten die Auftragseingänge auch 2018 ihre Aufwärtsbewegung fortsetzen und lagen damit nochmals über den schon starken Vorjahresvergleichswerten, berichtet Lothar Horn. Sowohl das Inlands- als auch das Exportgeschäft mit Zerspanwerkzeugen übertrafen die Erwartungen des VDMA. In den ersten 10 Monaten mit einem Plus von 6 im Inland bzw. 9% im Ausland. Von den 20 größten Exportmärkten schwächelten nur China und Russland leicht. Alle anderen Länder legten zu, viele sogar zweistellig. Besonders positiv, so Lothar Horn, wirkte sich die weiter gestiegene Nachfrage im größten Einzelmarkt USA aus. Allein die um 8% gestiegenen Exporte in die USA überkompensierten den Rückgang der Lieferungen nach China. Die Nachfrage aus den USA zeigte sich hierbei in den letzten erfassten drei Monaten mit plus 12% sogar noch stärker.

China mit einstelligem Rückgang

Die Lieferungen nach China lagen kumuliert für die ersten 10 Monate um 4% unter den Exportwerten von 2017. Eine Erholung ist bisher nicht zu erkennen, so der VDMA. Die Exporte in das Reich der Mitte schwächten sich in den letzten drei verbuchten Monaten August bis Oktober mit -7% sogar etwas stärker ab. "Den chinesischen Markt müssen wir daher in den nächsten Monaten besonders im Auge behalten", betonte Lothar Horn. Erfreulich zeigte sich wieder die Bilanz des Exports in die europäischen Partnerländer. Hier sind insbesondere die gestiegenen Lieferungen in die Länder Schweiz und Tschechien, aber auch Polen und Italien zu nennen. Auch viele andere Märkte fragten vermehrt deutsche Zerspanwerkzeuge nach. Insgesamt stiegen die Lieferungen in die EU-Partnerländer um 11%. Indien setzte seinen Wachstumskurs fort, die Exporte nach Russland stagnierten dagegen.

Bedarf an Werkzeugkonzepten für neue Antriebe

Während die Geschäfte mit dem Maschinenbau, der Luftfahrt- und der Medizintechnik einheitlich zwischen konstantem bis stärkerem Umsatz bewertet wurden, zeigte sich die Einschätzung der Umsatzentwicklung mit der Automobilindustrie deutlich zweigeteilt. "Etwa jeweils die Hälfte unserer Unternehmen bewerteten das Geschäft als schwächer bzw. auf der anderen Seite als stärker." Der Grund dürfte in der schwachen Entwicklung der Pkw-Produktion und der anlaufenden Neuprojekte für Hybrid- und Elektromodelle zu finden sein, so Lothar Horn. Die weltweite Pkw-Produktion stagnierte 2018. Dadurch kam aus dem laufenden Produktionsgeschäft kein Wachstum, dagegen führte der Bedarf an vielen neuen Werkzeugkonzepten für neue Antriebe zu Umsatzsteigerungen in diesem Segment. 2019 erwartet der VDMA für das Geschäft mit der Automobilindustrie eine ähnliche Entwicklung ohne große Impulse. Der Maschinenbau dürfte leicht positive Absatzchancen bringen, die stärksten Zuwächse erwartet man aus dem Medizin- und Luftfahrtsektor.

Ausblick für Werkzeughersteller - Trend E-Mobilität

Wir Hersteller von Zerspanwerkzeugen erwarten 2019 ein überwiegend konstantes oder leicht steigendes Inlandsgeschäft. "Dem wichtigsten Auslandsmarkt USA trauen wir eine weitere Steigerung zu", betont Lothar Horn. China wird uneinheitlich bewertet, neben einer Erholung erwarten auch viele Unternehmen eine weitere Abschwächung. Insgesamt rechnet der VDMA damit, den Umsatz mit Zerspanwerkzeugen 2019 leicht steigern zu können. In der Automobilindustrie ist neben der Stückzahlentwicklung der Wandel zu hocheffizienten Motoren und Hybridkonzepten ein wesentlicher Aspekt. Hierfür fragt die Automobilindustrie neue Werkzeugkonzepte nach. "Das ist für uns ein sehr interessantes Geschäftsfeld. Da rein batterieelektrische Fahrzeuge aber auf der anderen Seite weniger Werkzeuge in der Fertigung benötigen, haben wir die vor uns liegenden Marktveränderungen im vergangenen Jahr mit der detaillierten Studie „Antrieb im Wandel“ untersucht und werden die Studienergebnisse in Bezug auf die Marktverschiebung im Frühjahr aktualisieren", berichtet Lothar Horn.

E-Mobilität konkurriert um Rohstoffe

Die batteriegestützte Elektromobilität mit ihren derzeitigen Lithium-Ionen-Akkumulatoren hat aber noch einen weiteren Effekt für die Werkzeugbranche. Die Batterien benötigen, wie viele Werkzeuge, Kobalt. Es wird erwartet, dass sich der Kobaltbedarf in den nächsten Jahren hochdynamisch entwickelt. Größter Wachstumstreiber sind vor allem die wiederaufladbaren Batterien. Das größte Wachstum entfällt mit Abstand auf Anwendungen in der E-Mobilität, aber auch die Speicherung regenerativer Energien sowie mobile Applikationen wirken sich steigernd auf die zukünftige Nachfrage aus. Dies stellt eine große Herausforderung für die Bereitstellung neuer Kobaltmengen dar. Entsprechend wird es entscheidend sein, ob es der Bergbauindustrie durch die Erschließung neuer Projekte und die Erweiterung bestehender Anlagen gelingt, die stark steigende Nachfrage zu bedienen. Dies könnte gelingen, sagt Lothar Horn, setzt aber schon bei relativ moderaten Nachfragewachstumsszenarien voraus, dass fast alle Projekte mit den heute angekündigten Kapazitäten auch in Produktion gehen. "Auch im Hinblick auf die Rohstoffkonkurrenz erwarten wir gespannt die Aktualisierung der Studie, um das Wachstum bei der Nachfrage von Kobalt besser einschätzen zu können."

Die Digitalisierung schreitet auch bei den Zerspanwerkzeugen voran. Das reicht vom Mitschreiben von Prozessdaten und automatischen Auswerten über die Auswertung von Massendaten im Prozess und das Toolmanagement in der Cloud bis hin zu sensorischen Werkzeugen. "Bei den Prozessen gibt es bei unseren Kunden nicht nur den anhaltenden Trend hin zu innovativen neuen Lösungen, sondern auch zur Verlagerung vorhandener Prozesse auf Universal-Maschinen. Die Integration vorhandener Technologien schreitet weiter voran, beispielsweise das Schleifen auf Bearbeitungszentren", betont Lothar Horn. Auch bei bereits vorhandenen Prozessen, wie dem Speed-Forming, dem Wirbeln und Nutstoßen mit Innenkühlung, dem Polygondrehen oder dem Wälzschälen gibt es interessante Weiterentwicklungen. Dadurch lassen sich deutliche Standzeiterhöhungen und Zeiteinsparungen realisieren, versichert Lothar Horn. Fortschritte machen auch die additiven Technologien. Sie eröffnen neue Möglichkeiten – nicht nur konstruktiv, sondern auch in Bezug auf Materialien und Einsatzgebiete. Obwohl dieser Herstellungsprozess immer weiter voranschreitet und Einzug hält, ist in den meisten Fällen noch eine zerspanende Nachbearbeitung notwendig, um etwa Passungen und Oberflächengüten in der richtigen Qualität zu erhalten.

Spannzeuge erreichten ein hohes Plus - USA und China zweistellig

Hans-Joachim Molka, stellvertretender Vorsitzender des VDMA Präzisionswerkzeuge und Vorsitzender der Fachabteilung Spannzeuge, erklärte die wirtschaftliche Lage: Die Spannzeugehersteller erreichten 2018 wie erwartet ein hohes Plus, dies könnte in der Endabrechnung sogar im zweistelligen Bereich landen. Demnach waren der Inlandsabsatz und der Export gemeinsam Wachstumstreiber bei den Spannzeugen. Während das Inland im mittleren einstelligen Bereich zulegte, konnten die Exporte in den ersten zehn Monaten sogar um 11% gesteigert werden. Die größten Einzelmärkte USA und China entwickelten sich zweistellig. Während der amerikanische Markt erst in den letzten Monaten des Vorjahres auf den Wachstumspfad zurückfand und dadurch auch der Basiseffekt beim verzeichneten Wachstum von 16% eine Rolle spielt, ging das langfristig beobachtete Wachstum in China konstant weiter. Die Lieferungen nach China lagen in den ersten zehn Monaten um 10% höher als im Vergleichszeitraum aus 2017. Auch das EU-Ausland bestellte mit einem Plus von 11% deutlich mehr deutsche Spanntechnik. Bei einem Blick auf die einzelnen Länder in der EU zeigte sich insbesondere in großen Absatzmärkten wie Italien, Polen und Ungarn mit Wachstumsraten zwischen 14 und 20% eine überdurchschnittliche Steigerung deutscher Spannmittellieferungen. Außerhalb der EU entwickelte sich neben dem bereits genannten chinesischen Markt noch der wichtige südkoreanische und der indische Markt positiv, Japan und Brasilien stagnierten, Mexiko verzeichnete Rückgänge. Für die Spannzeugindustrie erwartet die Mehrzahl der Unternehmen in allen Märkten für 2019 ein leichtes Wachstum. Für Deutschland und Europa sieht ein Drittel der Unternehmen aber auch die Möglichkeit einer leichten Abschwächung.

Automobilindustrie moderat - wird sich 2019 abschwächen

Alle großen Kundenbranchen bescherten der Spanntechnik im Jahr 2018 ein Wachstum. In der Automobilindustrie fiel dieses zwar überwiegend nur moderat aus, dafür konnte aber in den Branchen Maschinenbau, Medizin- und Luftfahrttechnik der Umsatz deutlich gesteigert werden. Es wird erwartet, dass sich die Geschäfte mit der Automobilindustrie 2019 abschwächen. Dagegen dürften der Maschinenbau, die Medizintechnik und die Luftfahrttechnik leichte Zuwächse bringen. Insgesamt geht die Branche aktuell davon aus, so Hans-Joachim Molka, 2019 mit einem kleinen einstelligen Wachstum zulegen zu können.

Trend: Spanntechnik für E-Mobilität

Die Spanntechnik der Zukunft wird in zunehmendem Maße beeinflusst durch die Megatrends der E-Mobilität, der Industrie 4.0 und der additiven Herstellverfahren. Wir differenzieren die Spanntechnik in Werkstück- und Werkzeugspanntechnik und diese wiederum in Schneidwerkzeug- und Umformwerkzeug-Spannzeuge. Bei der Herstellung von leistungsoptimierten Elektromotoren werden hochgenaue, zu zerspanende Bauteile benötigt. Gleichzeitig werden diese Bauteile aber auch dünnwandiger und empfindlicher. Die zur Fertigung dieser Teile benötigten Spannzeuge müssen sensibler sein, um mit reduzierten Anlegekräften arbeiten zu können. Die Spannkraft darf nur so hoch sein wie sie das Bauteil nicht deformiert, aber dennoch sicher gespannt bleibt. Dabei spielt die Simulation von Spannkonzepten eine immer wichtigere Rolle. Genauso werden höhere Anforderungen an die Staubbeständigkeit von Spannkomponenten für den Einsatz in der additiven Fertigung gestellt. Gleichzeitig geht die Entwicklung weiter, die additiven Fertigungsverfahren für die Herstellung von Spannzeugen sinnvoll einzusetzen. Für das Spannen von Umformwerkzeugen werden intelligente Spannsystem benötigt, die im Zuge einer One-Piece-Flow-Flexibilisierung automatisierte Werkzeugwechsel sicher ermöglichen. Dazu benötigt man ebenfalls integrierte Sensorik, die mit dem Gesamtsystem im Datenaustausch steht.

Industrie 4.0 nur durchgängig realisierbar mit Sensorik

Die Industrie 4.0 ist durchgängig nur zu realisieren, wenn moderne Spanntechnik mit Sensorik ausgestattet ist, betont Hans-Joachim Molka. Mittlerweile sei Sensorik schon lange kein Fremdwort mehr in der Spanntechnik. Alle Hersteller von Spannzeuge seien da sehr rege unterwegs. Es gibt bereits einige gute, umgesetzte Ideen, die jedoch alle auf unterschiedlichen Technologien aufbauen und damit häufig wegen nicht zusammenwirkender Schnittstellen nicht miteinander kommunizieren können. Genau darin liegt aber die Herausforderung, sagt Hans-Joachim Molka. Nämlich Plattformen zu schaffen, auf denen Spannzeuge unterschiedlicher Hersteller miteinander verlinkt sind und in einem Gesamtsystem kommunizieren können.

Ziel: Komplette CAM-Baugruppe standardisiert beschreiben

Demnach würden auch Standards für die Hersteller und Anwender von Spannzeugen zunehmend wichtiger. Ohne den elektronischen Datenaustausch und definierte Merkmale ist eine Entwicklung hin zu Industrie 4.0 nicht denkbar, versichert Hans-Joachim Molka. Aus diesem Grund gibt es im Rahmen der VDMA-Normungstätigkeiten ein Projekt zur Standardisierung der Werkstückspanntechnik, bei dem beispielsweise einheitliche Merkmale zur Beschreibung der Spannmittel festgelegt werden. Ziel dieser DIN 4000/4003 für Werkstückspannmittel und Vorrichtungen ist, dass zukünftig die komplette CAM-Baugruppe von der Maschine über die Werkzeugkomponente und das Spannmittel bis zum Komplettwerkzeug standardisiert beschrieben und ausgetauscht werden kann.

Sicherheit von Spannvorrichtungen

"Ein weiteres wichtiges Thema, das uns im VDMA in letzter Zeit sehr beschäftigt hat und weiter beschäftigen wird, war und ist das VDMA-Einheitsblatt 34192." Dieses legt nach Angaben von Hans-Joachim Molka sicherheitstechnische Anforderungen und/oder Maßnahmen zur Beseitigung oder Minimierung von Risiken fest, die vom Hersteller von Spannvorrichtungen für die Verwendung an Maschinen zu beachten sind. Einsprüche gegen den Entwurf konnten bis Dezember geltend gemacht werden. Die Einspruchssitzung findet im Februar statt. Danach wird die finale Version veröffentlicht.

Entwicklung Richtung dynamisch gewuchtete HSK

Einen weiteren Schwerpunkt setzt der VDMA auch auf die Weiterentwicklung der bewährten HSK-Schnittstelle für Werkzeuge. Fokussiert wird dabei nach Angaben von Hans-Joachim Molka die Weiterentwicklung durch dynamische Wuchtung, durch die die HSK ihr konstruktionsbedingtes Massenungleichgewicht verliert. Um diese in die Normung zu überführen, wurden die ISO-Normen der Reihe 12164 für die HSK-Schnittstelle überarbeitet und Formen mit dynamischer Wuchtung eingeführt. Die Vorlagen werden in diesem Jahr bei ISO eingereicht. "Sie sehen anhand dieser drei Beispiele, dass die Spannzeuge im Bereich der Normung sehr aktiv unterwegs sind", berichtet Hans-Joachim Molka.

Werkzeugbau mit Fairness-Initiative

Gewaltige Herausforderungen sieht indes Marco Schülken, der Vorsitzende des VDMA Werkzeugbaus, auf den Werkzeugbau zukommen: Der Werkzeugbau sei ein wichtiger Partner und Befähiger für ein großes Spektrum an Kundenbranchen. Wo auch immer größere Serien von möglichst identischen Teilen benötigt werden, spielen die Hersteller von Stanz- und Umformtechnik, Formen, Normalien und Vorrichtungen eine entscheidende Rolle für die Qualität der Produkte und die Profitabilität der Produktion. Länder wie China und Südafrika haben bereits vor Jahren den immensen Wert des Werkzeugbaus für ihre industrielle Produktion erkannt und fördern ihre heimischen Unternehmen nach Kräften. Dies führt natürlich zu gewissen Wettbewerbsverzerrungen zu Ungunsten der anderen Unternehmen – auch der deutschen Werkzeugbauten, berichtet Marco Schülken. "Mit dieser schwierigen Situation leben wir gerade in Hinblick auf China schon länger." Mittlerweile sei aber die Situation im Werkzeugbau noch wesentlich dramatischer geworden durch das verheerende Geschäftsgebaren einiger dominanter Großkunden auf dem deutschen Markt. Man könnte regelrecht von einem Ausbluten der deutschen Werkzeugbauten reden.

Drei besonders schädliche Geschäftspraktiken

Marco Schülken nennt exemplarisch drei besonders schädliche Geschäftspraktiken, mit denen die Unternehmen tagtäglich konfrontiert werden: Die umfangreiche Vorfinanzierung von kundenspezifischen Projekten, Preisnachlässe bei geschlossenen Verträgen als Bedingung für Anschlussaufträge und die Abnahmeverweigerung oder -verzögerung als Vorwand, um mit nicht vollständig bezahlten Werkzeugen zu produzieren. "Viele Unternehmen stehen mit dem Rücken an der Wand, weil sich ihre Hausbanken zu Recht aus dem Risiko zurückziehen wollen. Um zu retten, was noch zu retten ist, starten die Mitglieder des VDMA Werkzeugbau gemeinsam mit ihrem Verband und weiteren Partnern zur Moulding Expo eine Fairness-Initiative, die sich zurzeit in der internen Abstimmung befindet. Darin verpflichten wir uns zu fairem Handeln im Rahmen unserer Geschäftsbeziehungen und laden alle unsere Partner entlang der Wertschöpfungskette ein, sich uns anzuschließen. Denn nur solange wir in Deutschland über eine funktionierende Hersteller-Lieferanten-Zulieferkette verfügen, können unsere Industrien ihre technologische und wirtschaftliche Spitzenposition in der Welt halten", betont Marco Schülken.

Umsatz im Werkzeugbau

Dennoch, so Marco Schülken, konnte der Werkzeugbau 2018 ein sehr ordentliches Wachstum verbuchen. Für das Gesamtjahr rechnen die Hersteller von Stanzwerkzeugen, Formen, Normalien und Vorrichtungen damit, ihren Umsatz im hohen einstelligen Bereich gesteigert zu haben. Für den Werkzeugbau hat der deutsche Markt eine deutlich höhere Stellung als für die beiden anderen Teilbranchen. Dies gilt zum einen, weil viele Werkzeuge durch interne Werkzeugbauten gefertigt und direkt im eigenen Produktionsbetrieb eingesetzt werden. Zum anderen ist gerade bei den kundenindividuellen Produktionsmitteln die Einarbeitung, die in der Regel in enger Abstimmung zwischen Werkzeugbauer und Kunde erfolgt, bei räumlicher Nähe effizienter. Hinzu kommt, so Marco Schülken, dass Größe und Gewicht der Werkzeuge und der damit verbundene Transportaufwand insbesondere bei zeitkritischen Projekten mit Großwerkzeugen für die Vergabe eine Rolle spielen. Die Umsatzentwicklung im Projektgeschäft mit der Automobilindustrie wurde im Werkzeugbau unterschiedlich bewertet. Der größte Anteil der Unternehmen verbuchte in diesem Bereich leichte Zuwächse. Teilweise wurden aber auch deutliche Rückgänge verzeichnet.

Positives Bild in der Medizintechnik, Maschinenbau und Luftfahrt

Ein klar positives Bild zeigen nach Angaben von Marco Schülken die anderen großen Kundenbranchen. Die Medizintechnik zog überwiegend leicht an, mit Projekten im Maschinenbau und der Luftfahrttechnik legten viele Werkzeugbauer sogar stark zu. Aber die generell gute Konjunkturlage in fast allen Kundenbranchen trug auch in der Breite zum Wachstum bei. Das Exportgeschäft ist im Werkzeugbau prozentual niedriger als in den anderen Teilbranchen. Nach wie vor verlässt hier nur knapp jedes zweite Werkzeug das Land, berichtet Marco Schülken. Wie schon 2017 war hier auch 2018 der amerikanische Kontinent besonders nachfragefreudig. Allerdings ging der kräftige Zuwachs in den USA in diesem Jahr zulasten von Mexiko. Hier gab es klare Verschiebungen. Während die Exporte in die USA um satte 20% zulegten, gingen die Lieferungen nach Mexiko um 15% zurück. Die USA konnten damit ihren Spitzenplatz als wichtigster Auslandsmarkt behaupten und sogar noch weiter ausbauen. Grund hierfür ist auch das nur sehr leicht gestiegene Exportgeschäft mit China, berichtet Marco Schülken. Die Exporte in die wichtigen europäischen Nachbarländer entwickelten sich eher enttäuschend und zogen die Exportbilanz leicht ins Minus.

Beschäftigte und Werkzeugbau 2019

Im Werkzeugbau muss jeder vierte Betrieb mit Überstunden arbeiten und für 2019 wird dieser Anteil ähnlich erwartet, betont Marco Schülken. Auch der Mitarbeiterbedarf stieg 2018 nochmals weiter an. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen stockte soweit möglich Personal auf, während Stellenabbau nur von jedem zehnten Unternehmen gemeldet wurde. Die Planungen für 2019 zeigen auch hier ein ähnliches Bild. Für Deutschland und die USA gehen die Werkzeugbauer für 2019 überwiegend von einem weiter konstanten Geschäft aus. Die Märkte in Europa und China sollten wieder etwas anziehen und vermehrt Werkzeuge nachfragen. Auf der anderen Seite geht jeder dritte Werkzeugbauer von einer rückläufigen Nachfrage aus und erwartet 2019 etwas schwächere Geschäfte. Insgesamt wird erwartet, dass der Umsatz deutlich unter dem Ergebnis von 2018 bleibt, resümmiert Marco Schülken.

Veranstaltungen 2019

Nach der bevorstehenden Fachmesse Intec in Leipzig empfiehlt der Fachverband Präzisionswerkzeuge die dritte Moulding Expo vom 21. bis 24. Mai in Stuttgart. Der VDMA Werkzeugbau wird gemeinsam mit ausstellenden Mitgliedern auf einer Sonderschau den Lieferantenbeitrag zum Entstehungsprozess eines Stanz- Umformwerkzeugs am Beispiel eines Werbeartikels darstellen. Die Werkzeugbau-Sitzung findet am 28. Juni im Rahmen der Mitgliederversammlung des VDMA Präzisionswerkzeuge am Tegernsee statt im Rahmen der Weltkonferenz der Zerspanung World Cutting Tools Conference, WCTC, die vom 26.-29.6. organisiert wird. Die Werkzeugbau-Challenge vom 29.7. bis 2. August. Der Werkzeugbauwettbewerb „Excellence in Production“ findet vor dem Kolloquium »Werkzeugbau mit Zukunft« am 13. November im Aachener Rathaus statt.

www.vdma.org

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