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Noch besser bohren, fräsen, drehen. „Wir werden nicht nur viel schneller sein, sondern unseren Kunden eben sehr viel genauer angepasste Werkzeuge liefern können“, verspricht Iscar-Germany-Geschäftsführer Hans-Jürgen Büchner durch die Zusammenführung sämtlicher Produktionsschritte am Standort Ettlingen.
Foto: Iscar Germany GmbH
„Wir werden nicht nur viel schneller sein, sondern unseren Kunden eben sehr viel genauer angepasste Werkzeuge liefern können“, verspricht Hans-Jürgen Büchner durch die Zusammenführung sämtlicher Produktionsschritte am Standort Ettlingen.

Welt der Späne

Besseres Sonderwerkzeug in einer Woche

Das neue Schleifzentrum in Ettlingen mit 42 Maschinen geht in Betrieb. Iscar-Geschäftsführer Hans-Jürgen Büchner verspricht damit noch bessere Sonderwerkzeuge.

Fusion, Neubau, Know-how-Bündelung. Im 50sten Jahr des Bestehens bringt Iscar Germany nicht nur die Kompetenzen zum Tieflochbohren in der Zentrale am Standort Ettlingen zusammen: „Mit der finalen Fusion von unserer französischen Gesellschaft Outiltec am Standort Ettlingen machen wir einen sehr großen Schritt, um künftig unseren deutschen Kunden nicht nur die besten, sondern vor allem sehr schnell absolut passende Zerspanwerkzeuge liefern zu können“, erklärt Hans-Jürgen Büchner den Plan.

Statt Wochen binnen Tagen fertigen

Demnach werden künftig in einem neuen, rund 2.700 m2 großen Produktionsgebäude individuell auf Material und Einsatzfall angepasste Sonderwerkzeuge konfiguriert und gefertigt. „Dieser Herstellprozess inklusive Härten und Beschichten dauert sonst Wochen. Wir sind sicher, dass wir einen Teil unserer Sonderwerkzeuge künftig in einer Kalenderwoche fertigen – vom Auftrag bis zur Auslieferung – vor allem, weil wir ab September die Kapazitäten mit rund 42 hochkarätigen und durchgängig automatisierten Schleifmaschinen massiv aufgestockt haben“, betont Hans-Jürgen Büchner.

Speziell angepasste Werkzeuge führt Iscar schon im Programm. Durch die individuelle Abstimmung von Substrat, Geometrie und Beschichtung in Ettlingen erwartet Hans-Jürgen Büchner auf sehr kurzen Wegen weitere Verbesserungen.
Werden künftig auch in Ettlingen geschliffen: die zwei- und dreischneidigen Bohrköpfe der Logiq-3-Cham-Serie, die mit patentiertem Bajonette-Wechselmechanismus ohne Schraube und Montagewerkzeug sehr schnell wechseln lassen.  
In der neuen Produktionshalle wird ab September im Schleifzentrum auf rund 2.700 m2 nur geschliffen. 42 Maschinen werden dann im fertiggestellten ersten Bauabschnitt des Neubaus von Iscar in Ettlingen unter Öl laufen.

Autarkes Schleifzentrum für "extrem gute Sonderwerkzeuge“

Auch das nötige Fachpersonal wird Iscar an den Schleifmaschinen wie Rollomatic, Saacke und auch Anca zur Verfügung haben. „Wenn der erste Bauabschnitt fertig ist, übernehmen wir die etwa 30 Maschinen aus dem 40 km entfernten, französischen Soufflenheim.“ Die meisten Fachkräfte, so Hans-Jürgen Büchner, würden dann mit einem eigens organisierten Shuttlebus täglich pendeln. Vor allem großes Know-how in punkto Tieflochbohren würden die Fachkräfte der französischen Tochter Outiltec mitbringen und in dem Neubau, der technologisch als reines Schleifzentrum konzipiert sei, einbringen.  „Mit der Integration von Outiltec in Ettlingen schließen wir eigentlich den Prozess ab, den wir 2001 mit dem Zukauf von Hornung und seiner Tochter Outiltec begonnen hatten. Schon damals profitierten wir nicht nur von der Kernkompetenz Tieflochbohren, sondern sehr stark von den Fachkräften, die Sonderwerkzeuge nach Kundenwunsch mit einem bestehenden Maschinenpark herstellen konnten. Dieses Konzept wollen wir jetzt in Ettlingen perfektionieren und für unsere Kunden nutzen.

Autarke Energieversorgung

Nach Angaben von Hans-Jürgen Büchner werden im ersten Bauabschnitt des Neubaus 42 Maschinen unter Öl laufen. Sämtliche Fräsmaschinen, Drahterodieren und additive Maschinen werden in den 2002 errichteten Fertigungshallen der Iscar-Germany-Zentrale neu angeordnet. „Es ist im Prinzip ganz einfach: In der neuen Produktionshalle wird im Schleifzentrum auf rund 2.700 m2 nur geschliffen – sehr effizient unter einer 600-kW-PV-Anlage und mit einem Blockheizkraftwerk. Das Schleifzentrum ist somit in punkto Energieversorgung völlig autark.“ Wahrscheinlich, so Hans-Jürgen Büchner, wird dann im Sommer viel zu viel Energie produziert, die aber eingespeist oder auf der anderen Seite der Eisenstock-Straße in der Iscar-Zentrale abgenommen wird.

Sogar Multimaster- und Sumocham-Prozesszeiten verbessern

Als größtes Plus sieht Hans-Jürgen Büchner vor allem die Zusammenführung sämtlicher Produktionsschritte. „Wir werden nicht nur viel schneller sein, sondern unseren Kunden eben sehr viel genauer angepasste Werkzeuge liefern können.“ Beispielsweise könnten die Vollhartmetallwerkzeuge der Multimaster-Produktreihe mit ihren Wechselköpfen noch besser, noch spezieller auf den Einsatzfall beim Kunden angepasst werden, individuell auf das zu fräsende oder zu bohrende Material geschliffen und beschichtet werden. Ähnlich seien deutliche Produktivitätsvorteile durch das individuelle Anpassen der Werkzeughalter und -körper zu erwarten. „Die gleichen Effekte erwarten wir auch beim Schleifen der zwei- und dreischneidigen Bohrköpfe, die sich mit unserem patentierten Bajonette-Wechselmechanismus ohne Schraube, erneutes Einmessen oder einen Werkzeugwechsel sehr schnell im Produktionsprozess austauschen lassen. Ohne Montagewerkzeug kann das so bis dato kein anderes Bohrsystem am Markt.“ Vor allem aber, so Hans-Jürgen Büchner, würden die Prozesszeiten profitieren, weil eben die individuelle Abstimmung von Substrat, Geometrie und Beschichtung auf den Einsatzfall durch die nun in Ettlingen versammelten Iscar-Experten auf kurzen Wegen nochmal extrem verbessert wird.

Digitaler Mehrwert und nur noch 5.000 Kataloge

„Deshalb steht die Weiterbildung unserer Fachkräfte weit oben auf unserer Agenda. Highlight ist sicherlich unserer eLearning-Plattform, auf der wir in Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen viele begleitende Videos zur Weiterqualifikation eingestellt haben.“ Als großen Pluspunkt speziell für die deutschen Iscar-Kunden empfiehlt Hans-Jürgen Büchner unterdessen die elektronischen Kataloge und Nachschlagewerke rund um das Thema Werkzeugtechnologie und Einsatz. „Unser Online-Angebot ist mittlerweile riesig. Vorteil ist, im elektronischen Katalog werden diese Informationen pro Woche einmal upgedatet. Veraltete Kataloginfos, Preise oder fehlende Neuprodukte zum Fräsen, Bohren, Stechen oder Drehen sind damit absolut passé. Digital bietet so viel Mehrwert“, betont Hans-Jürgen Büchner die digitalen Pluspunkte gegenüber gedruckten Katalogen, von denen dieses Jahr noch maximal 5.000 Exemplare gedruckt werden sollen.

Neue Fräser, Bohrer, Platten auf der AMB

Wie leistungsfähig schon die aktuellen Standardwerkzeuge sind, demonstriert Iscar demnächst auch wieder auf der AMB in Halle 1-F30. Ein Highlight werden die neuen Neobarrel-VHM-Fräser zum Vorschlichten bis Schlichten oder 3D-Profilfräsen sein. Die Schaftfräser sind in Tropfen-, Linsen- und Kegelform mit 8 bis 12 mm Durchmesser und vier oder sechs Schneiden verfügbar. Wer die Vorteile der Multimaster-Fräskopf-Technologie nutzen will, dem liefert Iscar die neuen Neobarral-Geometrien vierschneidig in Tropfen- und Linsenform mit verschiedenen Radiusgeometrien und Durchmessern von 8 bis 16 mm.

Vibrationsfreies Hochvorschub-Abstechen

Speziell zum wirtschaftlichen und vibrationsfreien Hochvorschub-Abstechen auf der Y-Achse stellt Iscar unterdessen zwei neue Systeme für die Logiq-F-Grip- und Tang-Grip-Serie vor. Damit, so die Werkzeugexperten, sind große Zeitersparnisse sowie gleichzeitig Top-Oberflächengüten und Planebenheiten realisierbar. Speziell für den Einsatz auf Bearbeitungszentren wurde zudem der Werkzeughalter Logiq F Grip Y Axis entwickelt. Damit lassen sich Stangen bis 82 mm Durchmesser mit Vorschubwerten bis 0,4 mm/Umdrehung bearbeiten. Zudem sorgt der modulare Tang-Grip-Adapter Tagpad Y Axis für Stabilität beim Hochvorschub-Abstechen bis 0,4 mm im Einsatz auf BAZs und Drehmaschinen.

Werkzeughalter nur noch ausklipsen

Unterdessen empfiehlt Iscar für die Kleinteilbearbeitung zwei neue Lösungen mit der Swissgrip-Linie und dem Neoswiss-Drehsystem: Die Swissgrip-Linie überzeugt in kleinen Maschinenräumen mit werkstoffsparendem Abstechen von Kleinteilen auf Langdrehern und Mehrspindlern. Blitzschnell lassen sich damit per Auswerfer die Werkzeughalter ausklipsen und erlauben so einen einfachen Schneideinsatzwechsel außerhalb der Maschine – fast ohne Rüstzeit.

Eckfräser-Produktlinie erweitert

Erweitert hat Iscar die bewährten Eckfräser der Heli-3-Mill-Linie. Diese gibt es nun als Wendelschaftfräser für 90°-Anwendungen zum Fräsen hoher Schultern und Konturen oder zum Schrägeintauchen beim Bohrzirkularfräsen. Dank seiner geringen Leistungsaufnahme ist er auch auf Maschinen mit niedriger Antriebskraft einsetzbar. Zudem stellt Iscar eine neue Version der HM390-Wendeschneidplatte zur Alubearbeitung vor. Scharf, segmentiert, geschliffen und mit polierter Schneidkante sind Schnitttiefen bis 13 mm und Vorschübe bis 0,22 mm pro Zahn möglich. Breite Wiper sorgen für eine sehr hohe Oberflächengüte und verbessern die Spanabfuhr.

50. Jahre Iscar Germany

Gegründet hatte der israelische Werkzeughersteller Iscar die deutsche Zentrale 1972 im badischen Bühl-Vimbuch. Vor allem wegen der Lagerkapazitäten zog Iscar Germany dann 1982 nach Ettlingen nahe Karlsruhe um, wo am heutigen Standort in Ettlingenweier bereits 1.000 m2 Bürofläche und eben 600 m2 Lager verfügbar waren. Die erste Produktionshalle samt zusätzlichem Verwaltungsgebäude wurde 2002 errichtet. Auf 1.800 m2 werden seither Sonderwerkzeuge produziert. 2008 kam ein neues Verwaltungsgebäude mit Seminarraum für rund 100 Personen hinzu. Anfang Juli 2022 wurde das 50-jährige Betriebsjubiläum gefeiert. Die Integration der elsässischen Tochter Outiltec samt dem Umzug der Schleif- und Fräsmaschinen ist im August geplant. Die Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts in Ettlingen soll im September erfolgen. Die offizielle Eröffnung ist für Mitte 2023 geplant, wenn der zweite Bauabschnitt mit den Erweiterungen für Verwaltung und Lagerkapazitäten vollendet ist. Dass auch die Geschäfte momentan bei Iscar gut laufen, belegt Hans-Jürgen Büchner mit den Umsatzerwartungen für seine 320 Mitarbeiter starke Iscar Germany GmbH, die der Geschäftsführer mit +8 % auf rund 150 Mio. EUR für 2022 schätzt. Die Serienwerkzeuge bezieht Iscar Germany weiterhin vor allem aus dem Iscar-Hauptwerk im israelischen Tefen, die mit den anderen Firmen der IMC Group 2013 endgültig für rund 6 Mrd. Dollar von Warren Buffetts Firma Berkshire Hathaway übernommen wurde. Der aktuell geschätzte Jahresumsatz der IMC Metalworking Companies als weltweit zweitgrößter Werkzeughersteller mit über 15.000 Mitarbeitern und Niederlassungen in 60 Ländern liegt bei rund 4 Mrd. EUR. Mehr Details und Kontakt zu Iscar am Standort Ettlingen finden Sie hier.